ANGST NACH EROTISCHER MASSAGE

Schwerpunkt: HIV & Männer, HIV Allgemein
04.02.2015

Guten Tag, aus Angst bin ich bei meiner Recherche auf ihre Seite gekommen: Ich hatte einen vermeintlichen Risikokontakt. Eine erotische Massage, die Dame war wie ich nackt, lag auf mir und rieb sich für kurze Zeit an meinem beschnittenen Penis. Es kam definitiv zu keinem Eindringen. Ich habe das Ganze auch nach vielleicht 30 bis 60 Sekunden abgebrochen und sie hat mich mit Öl zu Ende massiert. Ich kann nicht ausschließen, dass Vaginalsekret mit meinem Penis in Kontakt kam und sie dieses dann einrieb. Wie hoch schätzen sie das Risiko ein? Ich hatte kurz nach dem Kontakt wochenlang Kopfschmerzen, Nachtschweiss und war abgeschlagen. Nach sieben Wochen waren meine Lymphknoten am Hals geschwollen - bis heute, neun Monate nach dem Kontakt, ist dies immer noch so. Sie wurden jedoch wieder etwas kleiner, weshalb der Arzt eine Immunantwort und nichts Bösartiges vermutete. Ich habe mich beim Gesundheitsamt in den Wochen 12, 20 und 27 testen lassen. Diese verwenden doch auch Tests der vierten Generation, oder? Ich weiß, dass man grundsätzlich von einer Sicherheit nach max. 12 Wochen ausgehen kann. Trotzdem komme ich nicht zur Ruhe. Ich habe nach wie vor die vergrößerten Lymphknoten, bin im Nacken trotz Massagen total verspannt und habe jetzt auch noch Leistenschmerzen. Sind dort auch Lymphknoten? Würde ich da was sehen? Hinzu kommt, dass ich Angst um meine Familie habe. Meine Frau hat mittlerweile auch ständig Mundschleimhautprobleme - die habe ich auch. Sie und auch ich hatten in letzter Zeit vermehrt rote Flecken, also Angiome. Mein Sohn hatte auch im Gesicht einen solchen roten Punkt, der größer wurde und operativ entfernt werden musste, da er immer wieder platzte und blutete. Wie ist ihre Einschätzung? Was raten sie mir, zu tun? Meine Frau weiß nichts von dem Kontakt und ich bereue es sehr. Ich bedanke mich für ihre Hilfe.

Dr. med. Tobias Glaunsinger
Antwort des Experten Dr. med. Tobias Glaunsinger

Sehr geehrte(r) Fragende(r),

vielen Dank für Ihre Anfrage über die Internetplattform www.my-micromacro.net.

Die geschilderte Situation schätze ich NICHT als relevantes Risiko für eine HIV-Infektion ein.

Mehrere Gründe:

  1. Sind nur sehr wenige Frauen in Deutschland überhaupt HIV-infiziert. Sicher ist das Risiko bei einer Prostituierten etwas höher, im Allgemeinen haben diese Frauen jedoch ein recht ausgeprägtes Problembewußtsein, sind meist in mehr oder weniger regelmäßiger Kontrolle und üben meist nur als "safer sex" geltende Sexualpraktiken aus.
  2. Als Mann bei einem heterosexuellen Geschlechtsverkehr haben Sie eh schon ein deutlich geringeres Übertragungsrisiko - selbst wenn ein vaginaler Verkehr stattgefunden hätte. Dies erklärt sich daraus, dass Sie als Mann nicht so intensiv und lange mit potenziell virushaltiger Flüssigkeit (Sperma, Vaginalsekret) in Kontakt kommen wie die Frau, die ja bezüglich des Spermas "aufnehmend" ist.
  3. Als beschnittener Mann ist Ihr Risiko noch einmal um ca. 60% geringer. Dies ist aus großen Untersuchungen bekannt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Risiko, sich mit HIV infiziert zu haben, in der oben geschilderten Situation bei sehr wahrscheinlich weit unter einem Prozent liegt.

Die beschriebenen Tests nach zuletzt 27 Wochen schließen demzufolge eine HIV-Infektion auch sicher aus.

Die geschilderten Beschwerden können viele andere Ursachen haben und sollten ärztlich abgeklärt werden.

Ich freue mich, wenn ich Ihnen weitergeholfen habe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med Tobias Glaunsinger
Facharzt für Allgemeinmedizin und Infektiologie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

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