ANGST VOR HIV

Schwerpunkt: HIV & Frauen, Schwangerschaft
09.04.2013

Guten Morgen, als erstes möchte ich kurz berichten, dass ich seit Jahren unter einer Angststörung leide, welche sich hauptsächlich um Krankheiten / Tod drehen. Nun zu meiner Frage/ meinem Problem: Ich bin NICHT HIV-Infiziert und habe vor vier Wochen einen Sohn geboren. Nun habe ich gebrauchte Stillhütchen und eine gebrauchte Milchpumpe gekauft und diese selbstverständlich gründlich ausgekocht! Und jetzt ist mir zu Ohren gekommen, so etwas niemlas gebraucht zu kaufen aufgrund Ansteckung mit HIV. Das läßt mir jetzt keine Ruhe mehr und ich mache mir schreckliche Vorwürfe so etwas gebraucht gekauft und benutzt zu haben. Danke schon jetzt und liebe Grüße

Dr. med. Katja Römer
Antwort des Experten Dr. med. Katja Römer

Sehr geehrte „Pumuckel“
 
glücklicherweise ist das HI-Virus gegenüber Hitzeeinwirkung sehr empfindlich, so dass das ausreichend lange Auskochen von Geräten zur Lebensmittelherstellung oder Lebensmittelverabreichung ausreichend ist.
Bereits vor etlichen Jahren konnte gezeigt werden, dass nach weniger als 1 sec Hitzeeinwirkung von mehr als 65ºCelsius die Hälfte der vorhandenen HI-Viren inaktiviert ist.
In der vom Robert-Koch-Institut herausgegebenen Liste für Desinfektionsverfahren wird als eine Kochdauer von 3 Minuten bei 100ºCelsius als ausreichend angegeben.
Das HI-Virus wird also zuverlässig inaktiviert, wenn eine gründliche Reinigung der sichtbaren Verschmutzungen sowie eine ausreichend lange Koch- oder Dampfdesinfektion stattgefunden hat. Dies gilt für das eigene Babyzubehör ebenso wie für die Gerätschaften professionelle Betriebe.
Aber auch während des Gebrauchs von Stillzubehör ist das regelmäßige Reinigen und Auskochen der verwendeten Geräte sehr wichtig, um Besiedelungen mit anderen Erregern, z.B. Durchfallerregern, zu vermeiden.
 
Zu Ihrer Information:
Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und –verfahren.
 
Ich freue mich, wenn ich Ihnen weitergeholfen habe.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Dr. med Katja Römer
Fachärztin für Allgemeinmedizin und Infektiologie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

 

Guten Morgen,
 
tatsächlich hat mir Ihre Antwort schon sehr geholfen. Eine Unklarheit ist jedoch noch vorhanden. Bei einer elektrischen Milchpumpe können sämtliche Teile ausgekocht werden, nicht aber die Motoreinheit. Wenn an dieser Einheit fremde angetrocknete Milchrückstäde bei der Reinigung übersehen wurden und nun bei einem Abpumpvorgang frische Muttermilch mit dem Fremdrückstand in Berührung kommt und vom Baby getrunken wird, kann das zu einer Infektion führen?
 
Großes Danke vorab und sorry für die Mühe, aber ich mache mir einfach schreckliche Gedanken.
Eine neue eigene Pumpe habe ich bereits gekauft.

 

Sehr geehrte „Pumuckel“,
 
meines Wissens kommt bei den handelsüblichen Milchpumpen – die es ja auch zu mieten gibt - die eigentliche Motoreinheit nicht mit der Muttermilch in Kontakt, so dass auch keine Restbestände alter Verunreinigungen in der Einheit selbst zu finden sind. Es sind also die Schläuche und Leitungen, die wie beschrieben zu reinigen oder zu erneuern sind. (wie z.B. hier bei den elektrischen Pumpen von Medela, die Gebrauchsanweisung finden Sie unter „downloads“)  Leider bin ich nicht mit der Bauweise aller elektrischer Milchpumpen vertraut und kann Ihnen daher für Ihr Modell keine genaue Auskunft geben.
Vielleicht ist diese Information noch für Sie interessant: Zur Infektion bedarf es der Einbringung ausreichender Mengen von frischem, virushaltigem Material (z.B. Blut) in eine Eintrittspforte (z.B. eine frische Wunde). An der Luft ist das HI-Virus bei Raumtemperatur sehr schnell inaktiviert. Es handelt sich ja hierbei um ein Virus, das für sein Überleben und für die Vermehrung eine lebende Zelle benötigt. Dies ist eine Voraussetzung, die in getrockneter Substanz –auch nicht in Muttermilch - einfach nicht gegeben ist. 
 
Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Dr. med Katja Römer
Fachärztin für Allgemeinmedizin und Infektiologie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

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