Ansteckungsgefahr bei Piercing-Wechsel

Schwerpunkt: HIV & Männer, HIV Allgemein
23.05.2018

Sehr geehrter Herr Doktor, ich habe eine Frage an Sie. Ich habe mir vor einem Monat ein Ohrpiercing stechen lassen bei einem Piercer. Der Job war sauber und der Piercer benutzte immer Handschuhe. Ich war nun zur Kontrolle bei dem Piercer um mir das Piercing öffnen zu lassen. Dieser hat das Piercing geöffnet (wieder mit Handschuhen) und das Ohr fing an zu bluten. Dann hat er das Piercing kurz in eine Schale mit Alkohol gelegt und das Ohr sauber gemacht. In dieser Schale lagen aber auch drei andere Piercings. Dann hat er mir das Piercing wieder eingesetzt. 1. Habe ich gesehen, dass er ein anderes Piercing raus genommen hat. Dementsprechend hat er mir nicht meins eingesetzt. 2. War das Wasser / Alkohol trüb. Ich weiß nicht, wie alt die Flüssigkeit in der Schale war. Ich war ein wenig angeekelt. Aber es ging ganz schnell und das Piercing war dann auch schon drin. Ich fragte ihn was in der Schale ist und er meinte Alkohol. Ich glaub er hatte schon eine gute Absicht. Da er das Piercing einfach desinfizieren wollte bevor er es wieder einsetzt. Daheim habe ich das Piercing raus genommen und an diesem klebte etwas Blut. Ich glaube, dass es mein eigenes Blut ist oder glauben Sie das Blut klebte bereits an dem Piercing? Sonst war keiner in dem Piercing-Studio. Deswegen glaube ich, dass die anderen Piercings schon länger in der Schale gelegen haben. Meine Fragen sind: 1. Wie länge könnte ein Hi-Virus in dieser Flüssigkeit überleben? 2. Es ist ja nicht so wahrscheinlich, dass überhaupt jemand mit HIV sein Piercing davor in die Lösung gelegt hatte. 3. Wie hoch glauben Sie ist das Risiko?

Dr. med. Katja Römer
Antwort des Experten Dr. med. Katja Römer

Sehr geehrter Fragender,

ich bedanke mich für die Anfrage über www.my-micromacro.net.

Zur Übertragung von HIV bedarf es einer ausreichenden Menge Viren in frischer Flüssigkeit (also Blut oder Sperma), die in eine Wunde eingebracht werden. Je nach Literatur wird von einer benötigten Menge von 500-1000 Viruspartikeln ausgegangen, um eine Infektion zu verursachen. Sauberes Arbeiten und Desinfektion sind daher gerade bei Eingriffen wichtig, bei denen es zu Blutungen kommen kann, also auch beim Tätowieren und Piercen. Ein großer Stellenwert wird dabei der Sauberkeit der Instrumente beigemessen, wozu auch die von Ihnen beschriebene Desinfektion gehört. Die Einhaltung der Hygienevorschriften wird in Deutschland vom zuständigen Gesundheitsamt überwacht. Einzelne Länder bzw. Städte haben auch hierzu Hygienepläne hinterlegt wie z.B. hier in Sachsen:
https://www.gesunde.sachsen.de/download/Download_Gesundheit/RHPl_Tatoo_etc.pdf

Zur Frage, wie lange sich HIV außerhalb des Körpers hält, gibt es eine gute Übersicht des Bundesgesundheitsministeriums (Quelle s.u.). HIV ist gegenüber der Behandlung mit Desinfektionsmitteln sehr empfindlich. Bereits 20% Ethanol (also reiner Alkohol) verringert die Infektiösität und 70% Ethanol oder 50% Isopropanol oder 4% Formaldehyd inaktivieren HIV sehr schnell. Dies gilt aber nur für frisch angewendete Desinfektion, die nicht bereits lange steht und auch nur für ein Objekt angewendet wird. Bei fehlender Hygiene könnte es also grundsätzlich zu Infektionen kommen, was nicht nur HIV sondern auch Hepatitis B und C betrifft. Inwieweit die Hygienevorschriften in diesem Studio eingehalten wurden und wie hoch daher Ihr persönliches Risiko ist, ist von weitem daher schwer zu beziffern.

Quelle zur Stabilität und Infektiösität des HI-Virus:
Bekanntmachung des Arbeitskreises Blut des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung Humanes Immunschwächevirus (HIV)
Stellungnahmen des Arbeitskreises Blut des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 2004 · 47:83-95 DOI 10.1007/s00103-003-0753-8

Ich freue mich wenn ich Ihnen weitergeholfen habe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med Katja Römer

Fachärztin für Allgemeinmedizin und Infektiologie

im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH