ANSTECKUNGSGEFAHR NACH ERFOLGREICHER ANTIVIRALER THERAPIE

Schwerpunkt: HIV & Männer, HIV Allgemein
20.07.2017

Sehr geehrter Herr Dr. Glaunsinger, ich bin bei meiner Internet-Recherche auf Ihre überaus informative und interessante Website gestoßen. Ich selbst bin 24 Jahre alt und seit ca. einem bis einundhalb Jahren HIV-positiv und erfolgreich in Behandlung. Die Virulast liegt seit langem unter der Nachweisgrenze und laut meinem behandelndem Arzt hat mein Körper das Virus sehr gut im Griff. Zusätzlich treibe ich sehr viel Sport und ernähre mich gesund, was mir sicher zu Gute kommt. Ich habe mich wohl bei meinem Partner, der ebenfalls HIV-positiv ist, zum Zeitpunkt als er noch nichts davon wusste, angesteckt. Unsere Partnerschaft hat dies überstanden und wir haben diese erfolgreich fort geführt. Jedoch habe ich seit drei Wochen jemand Neues kennengelernt und bin quasi frisch verliebt. Leider beschäftigt mich die Frage bzw. der Gedanke an meine Krankheit und ihm davon zu erzählen sehr. Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wie sage ich es? Wie wird seine Reaktion sein? Leider finde ich hierauf keine Antworten und erhoffe mir, Sie können ggf. aus Ihrem Erfahrungsschatz berichten. Wir hatten stets safer Sex praktiziert, bis auf zwei mal, als mein Sperma in seinen Mund gelangte. Hierdurch habe ich natürlich noch mehr Angst, ihn angesteckt und enttäuscht zu haben. Können Sie mir etwas zur Ansteckungsgefahr durch Sperma sagen? Im Netz habe ich sehr viel über die geringe Ansteckungsgefahr bei erfolgreicher Therapie beziehungsweise Viruslast unter der Nachweisgrenze gelesen. Stimmt die Aussage, dass bei HIV-positiven Menschen bei erfolgreicher Therapie eine ähnlich geringe Gefahr, beziehungsweise hoher Schutz, wie bei der Verwendung von Kondomen, besteht? Ich hoffe auf Ihre Antwort und hoffe, dass mir diese etwas weiterhelfen wird. Im Voraus besten Dank und viele Grüße.

Dr. med. Tobias Glaunsinger
Antwort des Experten Dr. med. Tobias Glaunsinger

Sehr geehrter Fragender bzw. sehr geehrte Fragende,

vielen Dank für Ihre Anfrage über die Internetplattform www.my-micromacro.net.

Sie haben eine Vielzahl völlig nachvollziehbarer und berechtigter Fragen. Diese werde ich hier nur ansatzweise beantworten können. Viele Aspekte sind zu individuell, um eine allgemeingültige Aussage machen zu können. Ich empfehle Ihnen dringend, sich in einem persönlichen Gesprächen an Ihren behandelnden HIV-Arzt und ergänzend an eine lokale AIDS-Hilfe zu wenden.

Wir wissen heute ziemlich sicher, dass Menschen, deren Viruslast durch eine gute antivirale Therapie anhaltend gut unterdrückt (= „unter der Nachweisgrenze“) ist, so gut wie nicht mehr ansteckend sind. Wo kein Virus ist, kann kein Virus übertragen werden. Zumindest ist das Restrisiko extrem gering. Statistisch gesehen ist es sogar sicherer, ungeschützten Sex mit einem gut antiviral behandelten HIV-infizierten Menschen zu haben, als Kondome zu benutzen mit einem HIV-infizierten Partner, der nicht antiviral behandelt ist. Bezüglich der beiden Male, bei welchem ihr Sperma in den Mund des Partners gelangt ist, sehe ich also kein hohes Risiko einer Ansteckung.

Bezüglich Ihrer Fragen nach dem WANN und WIE sage ich es dem neuen Partner, kann ich Ihnen hier auf die anonyme Entfernung leider nicht weiterhelfen. Dies hängt von zu vielen Faktoren ab. Diesbezüglich empfehle ich eine Beratung bei einem Mitarbeiter der lokalen AIDS-Hilfe.

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