ANSTECKUNGSGEFAHR UND SYMPTOME VON HIV

Schwerpunkt: HIV & Frauen, Schwangerschaft
20.05.2013

Guten Tag, ich hatte oralen Verkehr und habe aus Versehen, weil es so schnell ging, den ganzen Erguss runtergeschluckt. Am nächsten Tag habe ich einen ganz heftigen Magen-Darm-Virus bekommen und musste ambulant behandelt werden (nur Erbrechen, kein Durchfall). Da ich alleinerziehende Mutter bin, mache ich mir jetzt natürlich Sorgen. Kann ich mich vielleicht mit HIV angesteckt haben? Wie ist hoch das Risiko beim Schlucken? Vielen Dank und liebe Grüße

Dr. med. Katja Römer
Antwort des Experten Dr. med. Katja Römer

Sehr geehrte „babsi“ ,

vielen Dank für Ihre Anfrage über die Internetplattform www.my-micromacro.net.

Es gibt nur sehr wenige Berichte von HIV-Übertragung durch Oralverkehr.
Gehen wir davon aus, dass der Sexualpartner tatsächlich eine HIV-Infektion hat. Das Ansteckungsrisiko ist höher, wenn keine wirksame antivirale Therapie eingenommen wird, da dann eine nachweisbare HI-Viruslast im Blut und auch im Sperma vorliegt. Auch begünstigt das Vorliegen weiterer Geschlechtskrankheiten (z.B. Herpes-Infektionen, Gonorrhoe, Syphilis) eine Übertragung.
Es besteht ein theoretisches Risiko, beim klassischen Oralverkehr, durch Verletzungen im Mund virushaltiges Genitalsekret oder Sperma aufzunehmen. Das Risiko ist bei intakter Schleimhaut geringer, bei sichtbaren offenen Stellen im Mund natürlich höher. Auch wenn in der Literatur nur sehr wenige Einzelfälle einer solchen Übertragung bekannt sind, so sollte bei gesicherter HIV-Infektion des Partners zur Sicherheit bei dieser Praktik doch ein Kondom verwendet werden. Es gibt keine Daten dazu, ob das Schlucken von Sperma risikoreicher ist.
Weitere Informationen hierzu finden Sie in den Leitlinien zur Poestexpositionsprohylaxe (http://www.daignet.de/site-content/hiv-therapie/leitlinien-1/Leitlinien%...), dort findet sich auch folgendes Zitat:
"Für die orale Aufnahme von Sperma und Vaginalsekret liegen Daten aus einer spanischen Kohorte serodiskordanter heterosexueller Paare vor [83]. Dort wurde bei ca. 3000 ungeschützten Kontakten mit Ejakulation des seropositiven männlichen Partners im Mund der weiblichen Partnerin keine HIV-Serokonversion beobachtet, ebenso wenig bei ca. 600 Episoden von oralem Kontakt mit Vaginalsekret einer HIV-infizierten Partnerin."
Bei ungeschütztem oralem Verkehr mit Aufnahme vom Sperma in den Mund wird zunächst empfohlen, das Sperma auszuspucken. Danach sollte eine intensive Spülung der Mundhöhle z.B. mit Leitungswasser erfolgen. Eine medikamentöse Postexpositionsprophylaxe sollte bei gesicherter HIV Infektion des Partners nur bei zusätzlichen Risikofaktoren, wie z.B. das Vorliegen sichtbarer offener Stellen im Mund angeboten werden.

Ich freue mich wenn ich Ihnen weitergeholfen habe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med Katja Römer
Fachärztin für Allgemeinmedizin und Infektiologie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

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