ANSTECKUNGSRISIKO EINES KINDES NACH STILLEN DURCH EINE ANDERE FRAU

Schwerpunkt: HIV & Frauen, Schwangerschaft
19.03.2017

Hallo, ich habe eine Frage und ich hoffe, Sie können mir weiterhelfen: Meine Tochter hat als Baby nach der Geburt im Krankenhaus viel geschrien und als ich einmal im Badezimmer war, hat meine Zimmergenossinnen sie einfach zur Beruhigung an ihre Brust gelegt und sie gestillt. Ich konnte es leider nicht verhindern. Seitdem hatte ich immer wieder Angst gehabt, dass sie meine Tochter mit HIV infiziert hat. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, ist es ja nicht komplett ausgeschlossen. Deshalb habe ich sie bei einer sowieso anstehenden Untersuchung beim Kinderarzt mit knapp 6 Jahren testen lassen. Das Ergebnis war negativ. Nun hatte sie in diesem Winter mit 6,5 Jahren auffällig viele Infekte und der Kinderarzt hat zur Sicherheit Blut abgenommen. Dabei kam heraus, dass sie keine Antikörper gegen Diphtherie besitzt und dies ggf. ein Anzeichen für ein Immundefekt ist. Nun habe ich Angst, dass sie sich doch mit HIV angesteckt hat. Deshalb meine Frage: 1. Wie sicher ist ein HIV Test nach knapp 6 Jahren nach der möglichen Ansteckung? 2. Ist ein fehlender Impftiter ein Anzeichen für eine HIV Infektion? Ich hoffe, Sie können mich beruhigen.

Dr. med. Katja Römer
Antwort des Experten Dr. med. Katja Römer

Sehr geehrte Fragende,

der HIV Test nach 6 Jahren schließt eine Infektion mit HIV 1 und HIV 2 aus. Der Antikörpertest der 4. Generation gehört zu einem der sichersten Antikörpertests überhaupt, so dass ich in der geschilderten Situation keine Veranlassung für eine weitere Untersuchung sehe. 

Fehlende Impftiter kommen auch bei Immungesunden vor und sind kein ungewöhnlicher Befund.  Je nach Literatur gibt es Angaben über fehlende Titer nach der Impfung mit dem Diphtherie-Toxoid-Imfpfstoff in bis zu 10%, die durch falsch negative Befunde (die hier deutlich häufiger sind als beim HIV Test) sowie Nicht-Ansprechen auf die Impfung verursacht werden. Wichtig sind daher die nach der Grundimmunisierung empfohlenen Nachimpfungen zwischen dem 5. und 6. und zwischen dem 9. und 17 Lebensjahr, um eben diese Impfversager zu erfassen. Bitte überprüfen Sie, ob Sie diese haben durchführen lassen. 

Ebenso werden bei Kindern vier bis acht Infekte der oberen Luftwege im Jahr als normal gewertet.  In diesem Winter gab es zudem eine besondere Häufung von Virusinfektionen mit Rhinoviren, RSV und Influenza. Einen Einfluss auf die Erkältungshäufigkeit nimmt auch ein Umgebungswechsel. Z.B. bringt ein Wechsel des Kindergartens oder eine Einschulung das Kind mit einem neuen Erregerpool in Berührung, den es erst einmal durchmacht. Auch eine neu entwickelte Allergie z.B. gegen Hausstaubmilben kann das Auftreten von Infekten der oberen Luftwege begünstigen. 

Sprechen Sie Ihren Kinderarzt  noch einmal auf die o.g. Aspekte und die durchzuführenden Impfungen an. 

Mit freundlichen Grüßen 

Dr. med Katja Römer

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