ANSTECKUNGSRISIKO NACH KONTAKT MIT SPERMA

Schwerpunkt: HIV & Männer, HIV Allgemein
21.03.2017

Sehr geehrter Herr Dr. med. Tobias Glaunsinger, Am 28. Februar 2017 wurde mir ein volles Kondom auf meine Jacke geworfen, vermutlich als Scherz. Ich reinigte die Jacke im strömenden Regen. Wenig später tastete ich nach meiner Zahnfleisch-Entzündung. Dabei bemerkte ich, dass noch ein wenig Sperma am Finger haftete mit dem ich das Zahnfleisch berührte. Nach einer Woche hatte ich leichten Husten, der mit etwas Schleim verbunden war und auch häufiges Niesen. In der zweite Woche hatte ich starke Kopfschmerzen im vorderen Bereich. Dieser Schmerz lässt sich am best als Ziehen an beiden Seiten beschreiben. Die Kopfschmerzen hielten drei oder 4 Tage an. Ibuprofen war gegen die Kopfschmerzen wirkungslos. Jetzt nach 3 Wochen habe ich ein großflächigen Ausschlag am Nacken sowie im oberen Brustbereich und an den Schultern, teilweise auch an den Beinen und Armen. Dieser Ausschlag ist leicht rötlich und weist wenige bis gar keine roten Punkte auf. Er macht sich bemerklich durch ein Brennen wie bei wunder Haut. Außerdem habe ich wunde Stellen im Mund entdeckt, zwei größere und zwei kleine rote Punkte, wie sie auch auf meinen Körper zu finden sind. Ich habe auch viele Pusteln im Mund, aber das passiert mir häufiger. Ich bin mir bewusst, dass die Ansteckungsgefahr fast gleich 0 ist, jedoch machen mir diese Symptome Sorgen und der Gedanke, mich infiziert zu haben, lässt mich nicht los. Die Symptome sind wahrscheinlich nur zufällig entstanden. Es liegt nahe, dass viele Symptome durch den Stress, der durch die Angst ausgelöst wird, entstanden sind. Trotzdem suche ich bei ihnen um Hilfe. Wie hoch schätzen sie das Risiko ein? Vielen Dank für ihre Mühen.

Dr. med. Tobias Glaunsinger
Antwort des Experten Dr. med. Tobias Glaunsinger

Lieber Fragender,

es ist zunächst einmal sehr unwahrscheinlich, dass das Sperma im Kondom HIV enthalten hat. In Deutschland leben etwa 80.000.000 Menschen, darunter etwa 65.000 Männer mit HIV. Betrachtet man die Gesamtbevölkerung von 80.000.000 Deutschen, also etwa 40.000.000 Männern, liegt die Wahrscheinlichkeit, einen HIV-infizierten Mann zu treffen, bei unter 1:500.  Diese Wahrscheinlichkeit gilt natürlich auch für Sperma.

Selbst wenn es sich beim „Produzenten“ des Spermas um einen HIV-infizierten Mann gehandelt hat, so sind die meisten HIV-Betroffenen in Deutschland unter einer guten antiviralen Behandlung und kaum mehr ansteckend. Somit wäre das Sperma auch bezüglich HIV unproblematisch.

Schließlich ist es so, dass HIV außerhalb des Körpers sehr empfindlich ist gegenüber Temperaturschwankungen, Austrocknung etc.. Mit gewisser Wahrscheinlichkeit würde das HIV im Sperma außerhalb des Körpers also auch bereits nicht mehr infektiös sein.

Diese Vorbetrachtungen machen es schon SEHR unwahrscheinlich, dass hier ein HIV-Infektionsrisiko vorgelegen hat.

Dennoch: Sollte es sich um frisches Sperma eines nicht antiviral behandelten HIV-infizierten Mannes stammen, so wäre das Einmassieren dieses Spermas in eine entzündete Mundschleimhaut eine potenzielle Risikosituation.

Wenn Sie es sicher wissen wollen, so empfehle ich Ihnen, sich bei Ihrem Hausarzt untersuchen zu lassen. Da das Ereignis erst drei Wochen her ist, ist ein klassischer HIV-Antikörper-Antigentest nur bedingt aussagekräftig. Wenn der Arzt den geschilderten Hautausschlag  bestätigen kann, wäre ein Virus-Direktnachweis mittels einer PCR-Untersuchung zu erwägen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med Tobias Glaunsinger

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