AUSWIRKUNGEN VON HIV AUF PARTNERSCHAFT

Schwerpunkt: HIV & Psyche
20.10.2014

Ich beschäftige mich sehr mit den Themen HIV & AIDS, da ich eine Präsentation darüber halten muss. Mir tun die Leute sehr leid, aber ich glaube, Mitleid ist keine gute Idee, oder? Man sollte sich nicht unterkriegen lassen und das Leben leben. Ich will mir sehr viel Mühe geben, daher frage ich Sie: Welche Auswirkungen hat eine HIV-Infektion auf die Partnerschaft? Ich wäre sehr dankbar für eine Antwort . MfG, Raptor

Dr. med. Steffen Heger
Antwort des Experten Dr. med. Steffen Heger

Sehr geehrte(r) Raptor,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Sie stellen einige für die Lebensqualität von Menschen mit HIV sehr wichtige Fragen.

Ich gebe Ihnen vollkommen Recht, dass die Betroffenen kein Mitleid brauchen. Mitleid hat immer einen Beigeschmack von Erniedrigung dessen, der bemitleidet wird. Hilfreich ist dagegen die vorbehaltlose Annahme der Betroffenen, d.h. vor allem, sie oder ihn nicht auszugrenzen oder zu diskriminieren. Das geschieht leider noch immer viel zu oft, vor allem weil HIV bei vielen Menschen große Angst auslöst. Manchmal ist es die Angst vor Ansteckung, manchmal aber auch die Angst vor Krankheiten überhaupt und die Unsicherheit, wie man mit den Betroffenen umgehen soll.

Wenn Sie sagen, „man soll sich nicht unterkriegen lassen“, stimme ich Ihnen auch darin zu. Das ist aber meistens leichter gesagt als getan. Die Diagnose einer chronischen Erkrankung verändert bei de meisten Betroffenen das Lebensgefühl erheblich. Unter anderen kommen fast regelmäßig Zukunftsängste auf. Das ist aber nur eines der vielen Themen, die Menschen nach einer HIV-Diagnose beschäftigen. Es dauert meistens eine Weile, bis es gelingt, die Erkrankung anzunehmen und zu einem geeigneten Umgang damit zu finden. Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, können Sie zum Beispiel im Internet den Suchbegriff „Coping“ oder „Krankheitsbewältigung“ googeln. Außerdem finden Sie Informationen dazu auf der Seite http://mymicromacro.net/meine_inhalte

Das führt direkt zum Thema Auswirkungen von HIV auf die Partnerschaft. Dazu gibt es keine kurze und einfache Antwort. Es kommt immer darauf an, in welcher Lebenssituation sich die Betroffenen gerade befinden. Aus meiner Erfahrung in der Praxis sind es aber vor allem drei Themen, die HIVPositive im Zusammenhang mit Partnerschaften beschäftigen:

  1. Wenn der Partner HIV-negativ ist, spielt fast immer die Angst eine Rolle, den Partner zu infizieren. Durch geeignete Behandlung kann dieses Risiko heute meistens sehr verringert werden. Es kann natürlich aber auch die Angst aufkommen, wegen der HIV-Infektion keinen Partner zu finden. Es gibt nicht selten HIV-Positive, die gezielt nach einem Partner suchen, der ebenfalls positiv ist, damit sie sich diesbezüglich keine Sorgen machen müssen.
  2. Wenn jemand in einer Partnerschaft ist und sich bei einem sexuellen Kontakt außerhalb der Partnerschaft infiziert, steht er natürlich vor der Frage, wie er es seinem Partner mitteilt. Dadurch kommt es häufig zu Krisen in der Partnerschaft.
  3. Bei heterosexuellen Paaren kann sich die Frage nach dem Kinderwunsch stellen: wie kann man ein Kind bekommen, ohne den Partner und/oder das Kind zu infizieren. Auch dazu finden Sie gute Informationen auf der Seite http://mymicromacro.net/

Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich Ihre Fragen nur in Ansätzen beantworten konnte. Es gibt dazu aber sehr gute und ausführliche Informationsmaterialien. Außer auf Internetseiten wie mymicromacro können Sie sich bei Ihrer örtlichen AIDS-Hilfe informieren oder auf der Internet-Seit der Deutschen AIDS-Hilfe, zum Beispiel hier: http://www.aidshilfe.de/de/leben-mithiv/sexualitaet/partnerschaft

Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen ein wenig weiter. Ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg beim Vorbereiten der Präsentation!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med Steffen Heger
Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

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