BLUT SPENDEN MIT HIV

Schwerpunkt: HIV & Männer, HIV Allgemein
04.05.2013

Hallo, letztens habe ich gehört, dass es für gleichgeschlechtliche Paare schwierig ist, Böut zu spenden oder sie eventuell auch gar kein Blut spenden dürfen. Bin ich da auf dem richtigen Stand? Warum ist das so? An sich dürfte die Übertragungsrate doch nicht höher sein als bei Heterosexuellen, da Spermaflüssigkeit doch immer nur zur Ansteckung führen kann, wenn sie auf Schleimhäute oder Wunden trifft. Danke, Grüße

Dr. med. Tobias Glaunsinger
Antwort des Experten Dr. med. Tobias Glaunsinger

Sehr geehrte Bine88,

vielen Dank für Ihre Anfrage über die Internetplattform www.my-micromacro.net.

der Hintergrund, warum man bestimmte Gruppen von der Blutspende ausschließt, hat ausschließlich mit der Sicherheit der Blutprodukte zu tun! Auch wenn die Blutkonserven alle auf HIV getestet werden, schließt dies nicht sicher aus, das Blut eines sehr frisch infizierten Menschen unerkannt an andere weiter gegeben wird.

Ursache hierfür ist, dass die Blutkonserven mittels eines Antikörpertests auf Antikörper gegen HIV getestet werden. Diese Antikörperbildung braucht jedoch Zeit. In der Regel vergehen 3-6 Wochen, ehe das Immunsystem nach einer Auseinandersetzung mit HIV entsprechende Antikörper gebildet hat. Dies bedeutet, dass es ein diagnostisch "blindes Fenster“ gibt, in dem zwar eine HIV-Infektion des Spenders vorliegt, jedoch noch keine Antikörper nachweisbar sind.
Um die Wahrscheinlichkeit, eine HIV-infizierte Blutprobe zu übersehen, weiter zu verringern, werden zudem Mischungen mehrerer Proben auch mit einem Test, der direkt die Erbinformation der HI-Viren nachweist, getestet. Auch dieser kann jedoch in seltenen Fällen und bei sehr frühen Infektionen – insbesondere auch durch die Tatsache, dass bei der Testung mehrerer Proben ein gewisser Verdünnungseffekt eintritt – falsch negativ ausfallen.

Dies alles erklärt, dass die Wahrscheinlichkeit, eine HIV-infizierte Blutprobe mittels Laboruntersuchungen nicht zu identifizieren zwar extrem gering ist, jedoch dieser Fall durch Labortests allein nicht 100%ig ausgeschlossen werden kann.

Diese minimale  Restunsicherheit wird durch eine gründliche und sorgfältige Spenderauswahl minimiert. Und hierbei werden Spender, die gewissen Risikogruppen angehören oder die ein Risikoverhalten praktizieren, als Blutspender ausgeschlossen. Die HIV-Infektion betrifft in Deutschland ganz überwiegend Männer, die Sex mit Männern haben. In dieser besonderen Bevölkerungsgruppe liegt die Häufigkeit HIV-Infizierter bei teilweise über 10% (Ballungszentren!). In der heterosexuellen Allgemeinbevölkerung liegt die Häufigkeit weit unter 1%. Diese deutlich erhöhte statistische Wahrscheinlichkeit, dass Menschen aus bestimmten Risikogruppen eine Infektion tragen könnten oder sehr früh mit diesem Virus infiziert sein könnten, ist die Grundlage für die Entscheidung, Männer, die Sex mit Männern haben und ein Risikoverhalten haben, nicht zur Blutspende zuzulassen. Diese Gruppe ist jedoch auch nicht die einzige, die nicht zur Blutspende zugelassen wird.

Ich freue mich, wenn ich Ihnen weitergeholfen habe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med Tobias Glaunsinger
Facharzt für Allgemeinmedizin und Infektiologie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

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