Therapietreue – die tägliche Herausforderung für HIV -Patienten

Die regelmäßige Tabletteneinnahme kann für einen HIV -Patienten überlebenswichtig sein. Doch jeden Tag lebenslang Medikamente nehmen zu müssen, ist vor allem für junge HIV -Positive häufig gewöhnungsbedürftig. Tatsächlich ist es nicht einfach, sich über viele Jahre hinweg zuverlässig an die ärztliche Medikamentenverordnung zu halten. Welche Rolle spielt in dem Zusammenhang deine innere Einstellung zur Behandlung?

Regelmäßige Einnahme von HIV-Medikamenten
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Ähnlich wie bei anderen chronischen Erkrankungen ist es bei einer HIV -Infektion wichtig, seine Medikamente jeden Tag von neuem zuverlässig einzunehmen. Das ist deswegen notwendig, weil durch die medikamentöse Behandlung (antiretrovirale Therapie oder kurz ART) die HI-Viren nur an der Vermehrung gehindert werden. Sie verschwinden aber nicht vollständig aus dem Körper, selbst wenn sie unter erfolgreicher Behandlung im Blut nicht mehr nachweisbar sind. Bei unregelmäßiger Medikamenteneinnahme sinkt der Wirkstoffspiegel im Blut. Diese Gelegenheit nutzen die noch vorhandenen Viren, um sich wieder zu vermehren. Mit der Zeit können sich so Resistenzen bilden, also Viren, die widerstandsfähig sind gegen die eingesetzten Medikamente. Die Behandlung verliert dann an Wirksamkeit.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, ist eine regelmäßige und möglichst pünktliche Medikamenteneinnahme anzustreben. Das ist aber gar nicht so leicht. Viele Faktoren können selbst den besten Vorsätzen im Weg stehen.

Innere Einstellung zur HIV -Therapie ist wichtig

Sich mit innerer Überzeugung auf die Behandlung der HIV -Infektion einzulassen, ist vielleicht die wichtigste Voraussetzung für eine zuverlässige Medikamenteneinnahme. Nicht umsonst lautet eine amerikanische Empfehlung an Ärzte: „Wait until the patient is ready“. Gemeint ist: Warte mit der Behandlung, bis der Patient innerlich dazu bereit ist. Die folgenden Fragen können dir helfen, deine innere Einstellung zur medikamentösen Behandlung besser kennenzulernen:

  • Hast du dich mit der Diagnose schon „angefreundet“, das Virus gewissermaßen als „deinen Untermieter“ akzeptiert, oder wehrst du dich innerlich noch dagegen und willst daher auch nicht so recht wahrhaben, dass nun eine Behandlung erforderlich ist?
  • Möchtest du nicht täglich von neuem durch die Tabletteneinnahme an deine Infektion erinnert werden?
  • Fühlst du dich schon ausreichend über die Behandlung informiert und aufgeklärt?
  • Basiert die Behandlung auf deinem eigenen Wunsch oder fühlst du dich eher von anderen (Arzt, Partner, Freunden) dazu gedrängt?
  • Hast du dich mit deiner Infektion geoutet? Und falls nicht: Vermeidest du die Medikamenteneinnahme, damit andere keine unangenehmen Fragen stellen?
  • Fürchtest du den Verlust von Freiheit und Spontaneität, wenn du deine Pillen immer mitnehmen und möglichst auch noch jeden Tag zu festgelegten Uhrzeiten einnehmen musst?
  • Hast du die Befürchtung, durch die Medikamente Schaden zu nehmen? Zumal es dir doch mit deiner symptomlosen HIV -Infektion im Augenblick gut geht.
  • Bist du möglicherweise so bedrückt und vielleicht sogar im wahrsten Sinn des Wortes lebensmüde, dass dir sowieso alles sinnlos erscheint und gleichgültig ist?

Diese Fragen sind wichtig. Es ist nicht immer einfach, zufriedenstellende Antworten zu finden. Manche Unsicherheiten können durch fachliche Informationen von deinem Arzt geklärt werden. Ganz besonders können die Erfahrungen anderer Betroffener weiterhelfen. Schließlich bist du mit diesen Fragen keineswegs allein. Die meisten Positiven beschäftigen sich damit oder haben sich in der Vergangenheit damit auseinandergesetzt. Gerade wenn du anhaltende Schwierigkeiten mit der Adhärenz hast, kann der Besuch einer Selbsthilfegruppe bzw. einer Positivengruppe sehr weiterhelfen.

Mithilfe von Somebuddy like me (Hier geht's zur Anmeldung) findest du andere Personen zum Erfahrungsaustausch.

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