Tipps zur regelmäßigen Einnahme der HIV -Medikamente

Gerade bei einer HIV -Infektion hängen Leben und Gesundheit von einer möglichst großen Therapietreue (Adhärenz ) in der Medikamenteneinnahme ab. Doch wer hat im Alltag noch nie etwas vergessen? Es gibt eine ganze Reihe teilweise überraschend einfacher Tricks und Kniffe, um die Therapietreue zu erhöhen.

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Die meisten Menschen mit einer chronischen Erkrankung möchten ihre Arzneimittel mit möglichst großer Zuverlässigkeit einnehmen. Diesem Vorsatz stehen jedoch im Alltag zahlreiche Hindernisse im Weg, und trotz bester Absichten werden immer wieder Einnahmen verpasst. Bei einer HIV -Infektion ist dies allerdings mit großen Risiken verbunden. Ziel ist also eine möglichst hohe Therapietreue , das heißt möglichst keine Einnahme zu verpassen.

Glücklicherweise verfügt die Medizin über zahlreiche Tipps, die dir im Alltag helfen können:

Information und Aufklärung zu HIV :

Möglichst noch vor Behandlungsbeginn solltest du über einige Dinge sehr ausführlich informiert und aufgeklärt werden. Die Aufklärung hat erst dann ihr Ziel erreicht, wenn du diese – teilweise leider nicht ganz einfachen – medizinischen Zusammenhänge und Fakten wirklich verstanden hast. Dazu gehören Begriffe wie Viruslast und Resistenzbildung, die Notwendigkeit sowie die Vor- und Nachteile der Behandlung und die möglichen Nebenwirkungen deiner Medikamente. Im Gespräch solltet ihr auch folgende Fragen klären: Passt die geplante Behandlung zu deinen Einstellungen und Vorstellungen? Passt sie zu deiner Lebensweise? Welche möglichen Hindernisse siehst du? Es hat keinen Zweck, den „braven Patienten“ zu spielen, wenn du innerlich Zweifel an der Behandlung hast. Erst wenn all deine Fragen beantwortet sind und du dich innerlich dazu bereit fühlst, ist eine erfolgreiche Behandlung möglich.

HIV -Behandlungsplan, Nebenwirkungen und Tabletteneinnahme:

Hier gilt eine ganz einfache Regel: Je einfacher die Behandlung ist, umso leichter wird es für dich. Der Idealzustand wäre: Eine Tablette am Tag, die unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden kann und bei der auch die unpünktliche Einnahme keine entscheidende Rolle spielt. Leider ist dieser Idealzustand nicht immer erreichbar. Sprich mit deinem behandelnden Arzt darüber, wie die medikamentöse Behandlung für dich möglichst einfach sein kann.

Umgang mit Nebenwirkungen bei HIV : Nebenwirkungen zählen zu den größten Hindernissen bei einer Dauerbehandlung:

  • Du solltest wissen, welche Nebenwirkungen möglicherweise auftreten können.
  • Du solltest auch die Wertigkeit der Nebenwirkungen kennen: Welche Nebenwirkung ist ungefährlich und kann möglicherweise „ausgesessen“ werden, und bei welchen Begleiterscheinungen solltest du deinen Arzt kontaktieren?
  • Welche Nebenwirkungen kannst du durch einfache Gegenmaßnahmen selbst lindern? Es gibt zum Beispiel gerade bei Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen oder Durchfall wirksame Allgemeinmaßnahmen, mit denen du dir selbst helfen und die Nebenwirkungen verringern kannst. Lass dich von deinem Arzt oder Apotheker beraten oder tausche dich mit „erfahrenen“ Positiven aus, zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe .
  • Falls Nebenwirkungen am Wochenende oder in der Nacht auftreten, solltest du wissen, wie du jederzeit einen Arzt erreichen kannst, damit dir geholfen wird und du nicht gezwungen bist, die Medikamente abzusetzen.
  • Praktische Hilfen für die regelmäßige Tabletteneinnahme:
  • Die Behandlung steht und fällt natürlich mit der Verfügbarkeit deiner Tabletten. Es ist also unbedingt zu vermeiden, dass dir am Wochenende, an Feiertagen oder auf einer Reise die Medikamente ausgehen. Daher lieber immer ein paar Tabletten in Reserve haben.
  • Tatsächlich kann man auch einmal etwas Wichtiges einfach vergessen. Dagegen gibt es Erinnerungshilfen. Jedes Handy bietet heute die Möglichkeit, einen Weckruf zu speichern, der dich täglich zu einer bestimmten Zeit mit einem Signal an die Medikamente erinnert. Es gibt dafür spezielle Apps, wie z.B. den Care4Today Mobile Health Manager.
  • Hilfreich ist auch, die Einnahme mit einem anderen festen Ritual zu verbinden. Ob es das morgendliche Zähneputzen ist oder die Abendnachrichten im Fernsehen.
  • Möglicherweise kommen dir irgendwann im Lauf des Vormittags Zweifel, ob du deine Tabletten heute Morgen nun eingenommen hast oder nicht. Da können so einfache Dinge wie eine Pillendose helfen. Darin befindet sich eine Wochenration deiner Pillen nach Wochentag und Einnahmezeitpunkt sortiert, so dass du auf einen Blick sehen kannst, ob du die Medikamente schon eingenommen hast.
  • Manche Apotheken bieten den besonderen Service, deine Medikamente für jeden Tag in kleine Tütchen oder „Blister “ abzupacken. Darauf stehen dann das jeweilige Datum und evtl. die Tageszeit, zu der die Einnahme erfolgen soll. Das ist gewissermaßen eine fortgeschrittene und noch praktischere Form der Unterstützung als die oben erwähnte Pillendose.

Unterstützung durch Familie und Freunde bei HIV :

Wer sich mit seiner Infektion geoutet hat, dem fällt auch die Adhärenz etwas leichter. Medikamente müssen nicht heimlich eingenommen werden, und Partner, Freunde oder Familie können an die Einnahme erinnern – sofern du das möchtest. Eine gute Anbindung innerhalb der Peer Group, zum Beispiel an die Selbsthilfegruppe , erleichtert nachweislich ebenfalls die Therapietreue . Hier ist auch ein Austausch über den Umgang mit Medikamenten und insbesondere über Nebenwirkungen möglich.

Da gerade in kritischen Lebenssituationen die Adhärenz erfahrungsgemäß bedroht ist, solltest du nicht zögern, z.B. im Fall einer Partnertrennung, bei Todesfällen in der Familie oder im Freundeskreis, bei Arbeitsplatzverlust oder Wohnungswechsel dein soziales Umfeld um Unterstützung zu bitten. Manchmal hilft es auch, sich in solchen Situationen die Notwendigkeit einer zuverlässigen Einnahme besonders vor Augen zu führen.

Behandlung von Begleiterkrankungen bei HIV :

Vor allem psychische Erkrankungen sollten möglichst bald und so gut es geht behandelt werden. Denn es ist bekannt, dass zum Beispiel depressive Patienten sich mit der Therapietreue schwerer tun.

Eines der größten Hindernisse der zuverlässigen Medikamenteneinnahme besteht im Substanzgebrauch, also Alkohol- und Drogenkonsum. Solltest du schon die Erfahrung gemacht haben, dass du die fällige Medikamenteneinnahme unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen vergessen hast, sprich mit deinem Arzt oder mit einer Selbsthilfegruppe darüber. Solche Ereignisse können darauf hinweisen, dass dein Drogenkonsum außer Kontrolle geraten ist und du spezialisierte Unterstützung benötigst.

Innere Einstellung zu HIV :

Die Bedeutung – häufig unbewusster – innerer Widerstände gegen die Behandlung wird oft unterschätzt. Vielleicht liegt darin die Erklärung für so manches „Vergessen“ der Pilleneinnahme. Es ist daher gut, wenn du dir die Frage stellst, ob du die Infektion schon ausreichend akzeptiert hast und wie es um deine innere Einstellung zur Behandlung steht. Im besten Fall kannst du diese Dinge innerhalb einer Selbsthilfegruppe mit anderen besprechen. Wenn das nicht genügt und du mit dem Thema weiterhin so sehr „im Unreinen“ bist, dass es dir schwerfällt, deine Behandlung zuverlässig durchzuführen, kann auch eine Psychotherapie sinnvoll sein.

Autor: Dr. Steffen Heger

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