Jugendliche mit HIV

HIV -betroffene Jugendliche stehen vor besonderen Herausforderungen: Neben der Übernahme der Verantwortung für den eigenen Körper und die Behandlung gilt es, eine sexuelle Identität zu finden.

HIV-betroffene Jugendliche stehen vor besonderen Herausforderungen
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Für HIV -infizierte Jugendliche ist es oftmals schwer, sich mit ihrer Sexualität auseinanderzusetzen bzw. sie auszuleben. Zu groß ist die Angst vor Ablehnung oder einer Zurückweisung. Ihre sexuelle Entwicklung verläuft zwar im Grunde normal, doch fällt es ihnen schwer, über die emotionalen Ängste und Bedürfnisse bezüglich der HIV -Infektion zu sprechen. Für sie ist Sexualität eng mit der eigenen Infektion und den Ängsten und Vorbehalten gegenüber HIV /AIDS verbunden. Viele dieser Jugendlichen verdrängen daher die eigenen sexuellen Bedürfnisse. 

Dem Partner von der HIV Infektion erzählen

Nur wenige Jugendliche informieren den Partner zu Beginn der sexuellen Beziehung über ihre Infektion. Erfährt es der Partner, sind dessen Reaktionen oftmals sehr unterschiedlich: sie reichen vom sofortigen Beziehungsabbruch bis zur intensiven Annäherung. Es sind Fälle bekannt, in denen die betroffenen Jugendlichen die Erkrankung trotz Gesprächs- und Aufklärungsangeboten ausblenden und weder die Partner informieren, noch für einen ausreichenden Schutz sorgen. Erlebte Wertvorstellungen, Konfliktmanagementstrategien und Umgangsregeln mit der Infektion im Elternhaus als Lern- und Orientierungsmodell beeinflussen den Umgang eines Jugendlichen mit seiner HIV -Infektion.

Adhärenz – eine große Herausforderung

Adhärenz bedeutet, dass die Behandlung konsequent und regelmäßig durchgeführt wird. Für eine erfolgreiche HIV -Therapie ist eine gute Adhärenz erforderlich, um Therapieversagen und Resistenzentwicklung zu vermeiden.


Die regelmäßige Einnahme antiretroviraler Medikamente erfordert von infizierten Jugendlichen ein hohes Maß an Disziplin und stellt gerade in dieser Lebensphase eine große Herausforderung dar. Die Verantwortung für die eigene Behandlung von den Eltern zu übernehmen ist nicht leicht, manche Jugendliche verweigern sich zeitweise den Empfehlungen der Erwachsenen. Darüber hinaus kann der unregelmäßige Lebensstil von Jugendlichen, wie langes Schlafen und langes Ausgehen, die regelmäßige Tabletteneinnahme erschweren.

Da eine mangelhafte Adhärenz zu Resistenzen und Therapieversagen führen kann sollten die Eltern die Jugendlichen bei der Adhärenz unterstützen. Erinnerungssysteme wie Wecker und Handys sowie kleine Medikamentenboxen zur Mitnahme der Tabletten können eine Hilfe sein. Eine Bevormundung des Jugendlichen ist nicht hilfreich, da er in dieser Phase nicht nur den korrekten Umgang mit der Behandlung lernen, sondern auch die Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen muss.

Der Übergang zur Erwachsenenmedizin

Auch infizierte Kinder und Jugendliche werden irgendwann erwachsen. Um einen sanften Übergang von der auf das Kind ausgerichteten Medizin in die Erwachsenenmedizin zu ermöglichen, müssen Wege mit dem betroffenen Jugendlichen gefunden werden, die dies ermöglichen. Hierbei hat sich ein familienorientierter Ansatz mit Unterstützung eines Teams,  bestehend aus Kinderarzt, Sozialpädagogen und Kinderkrankenschwestern, bewährt. Normalerweise besteht eine lange Beziehung sowie ein Vertrauensverhältnis zwischen diesen Betreuern, dem Patienten und dessen Familie. Die nur auf den Patienten konzentrierte medizinische Betreuung in einer Klinik für Erwachsene oder in der Praxis eines Internisten könnte im Vergleich sehr ungewohnt sein. Deshalb ist es wichtig, den Patienten auf die Umstellung vorzubereiten und mit den zukünftigen Behandlern über die zu erwartenden Probleme zu sprechen. Es kann hilfreich sein, wenn der erste Arztbesuch ohne die Eltern durch einen vertrauten Sozialarbeiter begleitet wird.

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