Begleiterkrankungen bei HIV und Aids

HIV kann das Immunsystem schwächen und der Körper kann sich deswegen schwerer gegen bestimmte Infektionen und einige Krebsarten wehren. Da HIV Betroffene heute deutlich länger mit der Infektion leben als noch vor einigen Jahren nimmt die Bedeutung von alterstypischen Begleiterkrankungen zu. Daneben spielen Erkrankungen wie Hepatitis B, Hepatitis C, aber auch Drogenabhängigkeit und opportunistische Infektionen eine Rolle.

HIV schwächt das Immunsystem und Begleiterkrankungen können auftreten
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Auf der einen Seite kann die HIV -Infektion durch Schwächung des Immunsystems die Reaktion des Körpers auf eine Erkrankung beeinträchtigen. Zum anderen kann eine Begleiterkrankung das Fortschreiten der HIV -Infektion beschleunigen. Wenn neue, bislang nicht dagewesene Symptome auftreten oder die Einnahme von weiteren Medikamenten erforderlich wird, ist es wichtig mit dem behandelnden Arzt zu sprechen. So können Begleiterkrankungen rechtzeitig erkannt werden und durch die Berücksichtigung von möglichen Wechselwirkungen die Wirksamkeit und Verträglichkeit erhalten bzw. verbessert werden. 

 

HIV und Diabetes

Jeder Mensch braucht Zucker im Blut, da jedes Organ (Gehirn, Niere) und jede Zelle des Körpers Zucker für die Energieversorgung benötigen. Zucker kann jedoch nur durch die Wirkung von Insulin in die Zellen dieser Organe gelangen. Produziert der Körper nicht genügend Insulin oder wird das Insulin nicht richtig verwertet, entsteht Diabetes. Typische Symptome sind starker Durst, verschwommenes Sehen und ständiger Harndrang. Oft tritt Diabetes (Typ 2) bei Menschen auf, die bereits einen hohen Blutdruck, hohe Blutfettwerte (Cholesterin) oder Übergewicht haben.

Regelmäßige Bewegung kann das Risiko, an dieser Form des Diabetes zu erkranken, deutlich verringern, da sich Bewegung nicht nur positiv auf das Körpergewicht, sondern auch auf den Stoffwechsel insgesamt auswirkt. Anhand von Studien wurde nachgewiesen, dass für HIV -Betroffene die antiretrovirale Medikamente einnehmen, ein erhöhtes Risiko besteht, an der „Zuckerkrankheit“ Diabetes (Typ-2 bzw. „Erwachsenendiabetes“) zu erkranken. Besteht zudem eine Hepatitis C, so ist dieses Risiko noch größer. Auch Übergewicht und die Familienkrankengeschichte sind mögliche Risikofaktoren für Diabetes.
Diabetes lässt sich gut behandeln: Es kann erforderlich sein, dass der Betroffene seine Ernährung umstellt, körperliche Aktivität ist jedoch besonders wichtig. Falls diese Maßnahmen nicht ausreichen können Medikamente verordnet werden. Behandelt man Diabetes nicht, kann dies zu schwerwiegenderen Erkrankungen, wie beispielsweise einer Herzerkrankung (Herzinfarkt) führen. Vor allem aus diesem Grund ist es wichtig, dass regelmäßige Blutzuckeruntersuchungen durchgeführt werden.

Dazu kommen Leberfunktionstests, zudem sollten auch Nierenfunktionstests und augenärztliche Untersuchungen durchgeführt werden, um festzustellen, ob sich bereits ein Diabetes entwickelt hat oder ob man bereits ohne bisher aufgetretene Symptome erkrankt ist.

Wenn man übergewichtig ist oder in der Familie bereits Diabetes vorgekommen ist, sollte man dies beim Arzt erwähnen, bevor man mit der Einnahme neuer antiretroviraler Medikamente beginnt, da der Arzt dies bei der Auswahl der Medikamente berücksichtigen wird.

Weiterführende Informationen finden sich unter www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de.
In der Schweiz finden Sie wichtige Informationen unter www.diabetesgesellschaft.ch, in Österreich unter www.oedg.org/.

Die weiterführenden Links unten im Artikel bieten noch mehr Informationen zum Thema.

HIV und Hepatitis 

Hepatitis B
Hepatitis B Virus (HBV ) breitet sich gewissermaßen genauso aus wie das HI-Virus - nämlich durch Kontakt mit infiziertem Blut. Es ist aber weitaus ansteckender als HIV . Die gemeinsame Benutzung von Nadeln bei Drogengebrauch oder ungeschützter Geschlechtsverkehr gehen mit einer hohen Ansteckungsgefahr einher. Das statistische Risiko ist bei Hepatitis B weitaus höher als bei HIV . Zu einer Infektion kann es auch bei der Geburt (durch eine infizierte Mutter) oder während der Kindheit durch Kontakt mit einem anderen infizierten Kind kommen.
 
HBV ist eines der bekannten Viren (u.a. Hepatitis A, B, C, D und E-Virus ), die eine Hepatitis (Leberentzündung) hervorrufen. Symptome der Hepatitis B sind Gelbsucht (gelbe Haut oder Augen), dunkler Harn und Müdigkeit. Hepatitis B verschwindet in den meisten Fällen von allein wieder. In ca. 10% der Fälle wird die Erkrankung allerdings chronisch und das Virus verschwindet nicht mehr aus dem Körper.

Infiziert sich HIV -Betroffener mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV ) kann die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten schwierig werden, da eine unbehandelte Hepatitis B zu schweren Leberschäden führen kann und viele antiretrovirale Medikamente durch die Leber abgebaut werden. Eine HBV -Infektion ist aber glücklicherweise vermeidbar, da man sich gut gegen das Virus impfen lassen kann. Falls Sie nicht gegen Hepatitis B geimpft sind sollten Sie dies unbedingt erwägen und mit Ihrem Arzt besprechen.

Hepatitis C
Das Hepatitis-C-Virus (HCV) ist eines der bekannten Viren (u.a. Hepatitis A, B, C, D und E-Virus ), die eine Hepatitis (Leberentzündung) hervorrufen. Bei vielen Menschen verläuft die Hepatitis C ohne sichtbare Symptome, wie gelbe Haut oder Augen. Häufig ist aber eine ständige Müdigkeit zu bemerken. Eine Hepatitis C wird bei den meisten Menschen chronisch, was zu einer fortschreitenden Schädigung der Leber führt.
 
HCV wird durch Kontakt mit infiziertem Blut übertragen. Die gemeinsame Benutzung von Nadeln bei Drogengebrauch oder ungeschützter Geschlechtsverkehr können das Risiko für eine Hepatitis C erhöhen. Zudem kann eine infizierte Frau das Virus auf Ihr ungeborenes Kind übertragen.
Lebt man mit HIV , sollte man sich auf jeden Fall auf HCV testen lassen - vor allem dann, wenn mit einer neuen Behandlung  begonnen wird. Fällt der Test für HCV positiv aus, sollte der Arzt Erfahrung mit der Behandlung beider Virusinfektionen haben. Eine bestehende Hepatitis C kann unter Umständen erfolgreich mit Medikamenten behandelt werden, bei zusätzlicher HIV Infektion ist die Behandlung jedoch ungleich schwieriger.

Unbehandelt kann Hepatitis C zu schweren Leberschäden führen und so die Behandlung mit antiretroviralen HIV -Medikamenten erschweren.

Wenn man sich mit Hepatitis C infiziert hat, aber noch keine Hepatitis A bzw. B durchgemacht hat, ist eine Impfung gegen Hepatitis A bzw. B wichtig, um die Leber vor einer zusätzlichen Schädigung zu schützen.

HIV und Nierenerkrankungen 

Wenn die Nieren die Abfallprodukte des Stoffwechsels nicht mehr richtig aus dem Körper ausscheiden können, spricht man von Nierenfunktionsstörungen. Sie treten bei bis zu 30 Prozent der Menschen mit HIV auf, gerade nach längerer Behandlungsdauer. Studien haben gezeigt, dass eine fortgeschrittene HIV -Infektion, eine niedrige CD4-Zellzahl (Helferzellen des Immunsystems), ein bestehender Diabetes oder auch Rauchen die Entstehung einer Nierenerkrankung bei Menschen mit HIV begünstigen können. Auch die langjährige Einnahme von bestimmten HIV -Medikamenten kann die Nierenfunktion schädigen. Daher sind regelmäßige Untersuchungen der Nierenfunktion empfehlenswert.
 
Wenn die Untersuchung der Nierenfunktion nicht normal ausfällt oder man andere Risikofaktoren für eine Nierenerkrankung hat, wird der Arzt den Patienten möglicherweise für weitere Untersuchungen zu einem Nierenspezialisten (Nephrologe) überweisen.

Bei der Dosierung von HIV -Medikamenten ist auch immer zu bedenken, wie sie im Körper verstoffwechselt werden. Manche Wirkstoffe (z.B. einige NRTI’s) werden über die Niere ausgeschieden, so dass die Dosierung bei einer Nierenfunktionsstörung eventuell angepasst werden muss. 

HIV und Drogenabhängigkeit

Neben der sexuellen Übertragung infizieren sich viele Menschen mit HIV durch die gemeinsame Benutzung von Nadeln zur Injektion von Drogen. Und nicht nur der Drogengebrauch allein kann das Risiko für eine Übertragung erhöhen: Um mit der Depression und dem Stress durch das Leben mit HIV fertig zu werden, greifen manche Betroffene zu Drogen oder Alkohol, was zu einem unüberlegten und riskanten Verhalten wie ungeschütztem Sex führen kann.
Gerade deswegen ist die Behandlung einer Drogenabhängigkeit ein immens wichtiger Teil der HIV -Therapie. Um die beste Versorgung zu erhalten, muss man mit dem behandelnden Arzt offen und ehrlich über den vergangenen oder derzeitigen Umgang mit Drogen oder Alkohol sprechen. Nimmt man bereits an einem Drogenersatzprogramm teil, muss eventuell die Dosis der Ersatzdroge (z.B. Methadon) während der Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten angepasst werden.

HIV und opportunistische Infektionen

HIV schwächt das Immunsystem und dies kann zu so genannten „opportunistischen Infektionen“ führen, die bei Menschen mit HIV /Aids besonders häufig beobachtet werden. Diese Infektionen werden durch eigentlich harmlose Erreger verursacht, die nur bei geschwächtem Immunsystem Krankheiten hervorrufen. Zu opportunistischen Infektionen zählen bakterielle Infektionen, Pilzinfektionen (z.B. Infektionen der Schleimhäute mit Hefepilzen oder eine besondere Form der Lungenentzündung, die so genannte Pneumocystis jirovecii Pneumonie (PJP)), Virusinfektionen (z.B. Herpes simplex) oder auch Infektionen mit Parasiten (z.B. Toxoplasmose ).

Die Symptome sind von Infektion zu Infektion unterschiedlich und können durch verschiedene unspezifische Symptome, wie z.B. Fieber oder Gewichtsverlust gekennzeichnet sein. Haut und Schleimhäute können stark betroffen sein. Eine antiretrovirale Therapie kann durch die Stabilisierung des Immunsystems dazu beitragen, das Erkrankungsrisiko für opportunistische Infektionen zu verringern. Zur akuten Behandlung werden unter Berücksichtigung des jeweiligen Erregers Antibiotika, spezielle Mittel gegen Pilze oder auch Mittel gegen Viren eingesetzt. In seltenen Fällen kann eine prophylaktische antibiotische Behandlung erforderlich sein, wenn das Immunsystem bereits sehr geschwächt ist.

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