HIV -Community-Preis 2017: Nürnberger Projekt „Helfen ist positiv“

HIV -positive Geflüchtete leiden häufig unter Schuldgefühlen und machen innerhalb der Aufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünfte oft Diskriminierungserfahrungen. Gleichzeitig ist bei vielen Geflüchteten nur wenig Wissen über HIV und Aids vorhanden. Von besonderer Bedeutung sind deshalb Präventionsprojekte mit muttersprachlichen Ehren­amtlichen, die vor Ort kultursensibel und ohne Sprachbarrieren über HIV und Aids aufklären. Das Projekt „Helfen ist positiv” der Stadtmission Nürnberg und AIDS-Beratung Mittelfranken wurde auf dem 8. Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongress in Salzburg mit dem diesjäh­rigen HIV -Community-Preis ausgezeichnet.

Versorgungslücke bei HIV-infizierten Geflüchteten schließen
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Der Förderpreis der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG), der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH), der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV -Infizierter (dagnä) und des forschenden Pharmaunternehmens Janssen wurde 2017 zum dritten Mal verliehen. Das Projekt „Helfen ist positiv“ wurde von der Jury aus unabhängigen Vertretern der Community, der Wissenschaft, der Kommunalpolitik und der Akademie Waldschlösschen mit dem ersten Preis und 8.000 Euro Preisgeld als „Leuchtturmprojekt“ für ihr niedrig­schwelliges Angebot für die ansonsten oft schwer erreichbare Zielgruppe der Asylsuchenden bedacht.

Versorgungslücke bei HIV -infizierten Geflüchteten schließen

Viele HIV -positive Geflüchtete kommen aus Ländern mit massiver HIV -bezogener Stigmatisierung und scheuen sich, aus Angst vor Diskriminierung sowie aufgrund von Scham - und Schuldgefühlen ihre Infektion offenzulegen. Zudem ist das Wissen über HIV /Aids bei Migrant_innen oft schlecht ausgeprägt. Die Stadtmission Nürnberg und AIDS-Beratung Mittelfranken haben den Bedarf bereits im Jahr 2008 erkannt und eines der ersten Projekte in Deutschland gestartet, das mithilfe von muttersprachlichen Multiplikator_innen Prävention vor Ort bei Asylsuchenden betreibt. Ziel ist es, die bestehende Versorgungslücke im Gesundheitssystem zu schließen, Diskriminierung und Stigmatisierung entgegenzuwirken und die Zahl der HIV -Neuinfektionen zu reduzieren.

HIV -Infizierte da abholen, wo sie ankommen

Die Präventionsaktionen finden aktuell in 17 verschiedenen Sprachen in Aufnahme­einrichtungen und Unterkünften für Asylsuchende, in Wohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, bei Veranstaltungen verschiedener Sprach-Communitys sowie in aufsuchender Arbeit bei Sexarbeiterinnen und Drogengebrauchenden statt. Die etwa 30 ehrenamtlichen Projektmitarbeiter_innen werden von hauptamtlichen Fachkräften regel­mäßig aus- und fortgebildet. Dabei geht es neben den Themen HIV /Aids, andere STI und Körperwissen auch um verschiedene Krankheitsverständnisse und eventuelle Schwierig­keiten in der Sprachübertragung. „Die jahrelange hervorragende Präventionsarbeit in Nürnberg hat nachweislich dazu beigetragen, Vorurteile bezüglich HIV und Diskriminierungs­erfahrungen zu verringern. Positiv hervorzuheben ist, dass die Projektmitarbeiter_innen in Erstaufnahmeeinrichtungen gehen, also die Menschen direkt dort abholen, wo sie ankommen – für uns ein ideales Leuchtturmprojekt auch für andere Städte“, so die AIDS-Aktivistin und Stuttgarter Kommunalpolitikerin Laura Halding-Hoppenheit als Vertreterin der Jury. Mit dem Preisgeld soll jetzt der Fortbestand des Projektes gesichert werden.

Gesellschaftliche Teilhabe fördern, Versorgung verbessern

Der HIV -Community-Preis will nachahmenswerte Ideen fördern, die die frühzeitige Diagnose von HIV -Infektionen sowie die Versorgung und soziale Integration von Menschen mit HIV unterstützen. Der Förderpreis von DAIG, DAH, dagnä und dem forschenden Pharma­unternehmen Janssen richtet sich an Vereine, Verbände und GmbHs sowie an Selbsthilfe ­organisationen und Beratungsstellen, medizinische Einrichtungen und soziale Dienste, die sich engagiert für Menschen mit HIV einsetzen. Er ist mit insgesamt 12.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre verliehen. Weitere Informationen zum Preis, zu den Preisträgern und Bewerberprojekten unter: www.hiv-community-preis.de

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