HIV -Community-Preis 2017: Projekt „Frauenleben positiv“ aus Kärnten erhält den zweiten Preis

Das von der AidsHilfe Kärnten initiierte Projekt „Frauenleben positiv“ zur Unterstützung HIV -positiver Frauen wurde auf dem 8. Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongress in Salzburg mit dem zweiten Platz des HIV -Community-Preises 2017 und 4.000 Euro Preisgeld ausge­zeichnet. Gewürdigt wurde hier, dass durch das Projekt die oft schwierigen Lebensumstände von HIV -positiven Frauen im ländlichen Raum Kärntens deutlich verbessert werden.

Frauen mit HIV-Infektion eine eigene Plattform geben
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Der Förderpreis der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG), der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH), der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV -Infizierter (dagnä) und des forschenden Pharmaunternehmens Janssen wurde 2017 zum dritten Mal verliehen. Das Projekt „Frauenleben positiv“ wurde von der Jury aus unabhängigen Vertretern der Community, der Wissenschaft, der Kommunalpolitik und der Akademie Waldschlösschen mit dem zweiten Preis und 4.000 Euro Preisgeld als „Leuchtturmprojekt“ für ihr niedrig­schwelliges Angebot für die ansonsten schwer erreichbare Zielgruppe von HIV -positiven Frauen in ländlichen Regionen Österreichs bedacht.

HIV -positive Frauen in Österreich unterversorgt und oft depressiv

Während für HIV -positive Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), Community-spezifische Angebote zur Verfügung stehen, fehlen diese Möglichkeiten zum Austausch mit anderen Betroffenen für HIV -positive Frauen oft. Dies gilt insbesondere für struktur­schwache, ländliche Gegenden wie den Raum Kärnten in Österreich. Die HIV -Infektion wird dadurch als Einzelschicksal empfunden, was zu Isolation, Schweigen, Scham sowie Angst vor Diskriminierung und Stigmatisierung führt. Die Folgen bleiben nicht aus: Eine kürzlich durchgeführte Studie zu den Lebensumständen HIV -positiver Frauen in Kärnten hat eine massive Häufung von schweren bis mittelgradigen Depressionen sowie eine deutlich geringere Lebenszufriedenheit festgestellt.

Frauen mit HIV -Infektion eine eigene Plattform geben

Das Projekt „Frauenleben positiv“ der aidsHilfe Kärnten hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebenssituation HIV -positiver Frauen in Kärnten gezielt zu verbessern und ihnen die Möglichkeit zur besseren Vernetzung zu bieten. Im Rahmen des Projekts wurde eine angeleitete Selbsthilfegruppe für betroffene Frauen initiiert, die sich einmal in der Woche zum Reden, Handarbeiten und Austausch über Probleme trifft. Dabei spielen soziale oder kulturelle Unterschiede und sprachliche Barrieren keine Rolle. Mit Migrantinnen wird Deutsch gelernt, „Frauenthemen“ ohne Hemmungen besprochen und auch handwerkliche Fähig­keiten erlernt. Inzwischen haben sich auch außerhalb der Gruppen tragfähige Beziehungen entwickelt. Die aidsHilfe Kärnten stellt kostenlos die Räumlichkeiten für die Gruppen­sitzungen zur Verfügung, und die insgesamt vier Projektmitarbeiterinnen bieten Beratung in persönlichen und/oder Gruppengesprächen sowie regelmäßige themenspezifische „Updates“ an. Insbesondere in der Zeit nach dem positiven Befund finden die Teilnehmerinnen durch „Frauenleben positiv“ Halt und Unterstützung.

„Das Projekt hat die Jury vor allem deshalb überzeugt, weil es diesen isoliert lebenden Frauen Gelegenheit bietet, sich regelmäßig zu treffen und zu vernetzen. Die angeleitete Selbsthilfegruppe kombiniert mit einem Beschäftigungsprojekt etabliert ein Buddy-System ausschließlich für Frauen – etwas, das für MSM heute Standard ist, was für Frauen aber bisher nicht gezielt umgesetzt worden ist“, begründet Juror Marcel Dams die Preisvergabe.

Gesellschaftliche Teilhabe fördern, Versorgung verbessern

Der HIV -Community-Preis will nachahmenswerte Ideen fördern, die die frühzeitige Diagnose von HIV -Infektionen sowie die Versorgung und soziale Integration von Menschen mit HIV unterstützen. Der Förderpreis von DAIG, DAH, dagnä und dem forschenden Pharma­unternehmen Janssen richtet sich an Vereine, Verbände und GmbHs sowie an Selbsthilfe ­organisationen und Beratungsstellen, medizinische Einrichtungen und soziale Dienste, die sich engagiert für Menschen mit HIV einsetzen. Er ist mit insgesamt 12.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre verliehen. Weitere Informationen zum Preis, zu den Preisträgern und Bewerberprojekten unter: www.hiv-community-preis.de

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