HIV: AUSWIRKUNG AUF SCHWANGERSCHAFT

Schwerpunkt: HIV & Frauen, Schwangerschaft
26.11.2012

Sehr geehrte Frau Dr. Römer, ich habe einige Fragen bezüglich dem Thema AIDS und wie sich diese Krankheit auf eine Schwangerschaft auswirken kann: - Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby auch an HIV erkrankt? - Kann man dafür sorgen, dass die Chancen auf eine HIV-Erkrankung sinken? - Wie bringt man seinem Kind bei, dass es höchstwahrscheinlich an HIV erkrankt ist? - Sind die Auswirkungen von HIV/AIDS bei Frauen anders, als bei Männern? Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen. Mit freundlichen Grüßen R.M.

Dr. med. Katja Römer
Antwort des Experten Dr. med. Katja Römer

Liebe Meredith,

Sie sprechen mehrere Aspekte rund um das Thema Frauen und Schwangerschaft an.

 Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby auch an HIV erkrankt?

Wenn während der Schwangerschaft der HIV-Spezialist, der Gynäkologe, die Geburtsklinik und die Mutter eng zusammen arbeiten, liegt die Infektionsrate für das Baby in Deutschland bei 1-2%.

Kann man dafür sorgen, dass die Chancen auf eine HIV-Erkrankung sinken?

Studien aus den 90er Jahren haben gezeigt, dass die Übertragungswahrscheinlich-keit von der Mutter auf das Kind ohne Vorsorgemaßnahmen je nach Studie zwischen 15% und 44% liegt. Sie sehen also, dass durch die besondere Betreuung und Behandlung eine deutliche Reduktion der Infektionsrate erzielt werden kann. Da die Wahrscheinlichkeit, das Baby mit HIV zu infizieren, eng mit der Höhe der Viruslast zusammenhängt, ist die Gabe von Medikamenten in der Schwangerschaft erforderlich, unabhängig davon, ob die Mutter eine Therapie benötigt. Liegt die Viruslast zur Geburt unter der Nachweisgrenze, kann der Mutter sogar eine vaginale, d.h. normale Geburt angeboten werden. Je nach Risiko muss auch das Kind medikamentös nachbehandelt werden. Nach der Geburt darf das Baby allerdings nicht gestillt werden, da auch durch die Muttermilch und den Stillvorgang ein Infektionsrisiko bestehen kann. Das Kind wird durch spezialisierte Kinderärzte übrigens innerhalb der ersten zwei Lebensjahre auf das Vorliegen einer HIV-Infektion überwacht. Den Kontakt stellt die Geburtsklinik oder der HIV-Behandler der Mutter her.

Wie bringt man seinem Kind bei, dass es höchstwahrscheinlich an HIV erkrankt ist?

Diese Frage lässt sich nicht so leicht beantworten. Es gibt keine Patentlösung, da jede Familie und jedes Kind unterschiedlich sind. Unabhängig davon wird das Kind ja durch spezialisierte Kinderärzte in den ersten zwei Lebensjahren nach der Geburt nachuntersucht. Liegt dann tatsächlich eine gesicherte Infektion vor, wird man sich mit dem behandelnden HIV-Kinderarzt beraten. In diesem Fall wird das Kind meist schon im Säuglings- oder Kleinkindalter Medikamente nehmen müssen, so dass sicher von alleine irgendwann die Frage aufkommt: "was habe ich da eigentlich?"

Sind die Auswirkungen von HIV/AIDS bei Frauen anders als bei Männern?

Im Grunde nicht, der Krankheitsverlauf ist gleich. Frauen haben zwar ohne Therapie im Schnitt eine geringere Viruslast als Männer und je nach Studie auch höhere Helferzellen, aber das fällt nicht ins Gewicht. Das Ansprechen auf die Medikamente ist gleich gut, es gibt lediglich kleine Unterschiede im Bereich der Nebenwirkungen. Bei einigen Frauen tritt bei manchen Substanzen z.B. mehr Übelkeit und Erbrechen auf.
Beachten muss man bei Frauen die Vorsorge beim Frauenarzt. Gebärmutterhals-krebs ist bei von HIV betroffenen Frauen häufiger, daher lohnt sich der regelmäßige Gang zum Frauenarzt. Auch gibt es Wechselwirkungen zwischen der HIV-Medikation und den Antibabypillen - da muss man genauer hinschauen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med Katja Römer
Fachärztin für Allgemeinmedizin und Infektiologie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

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