HIV INFEKTION DURCH TATTOO

Schwerpunkt: HIV & Psyche
19.11.2013

Hallo, ich würde mich über eine Einschätzung für das folgende Problem freuen: Ich bin derzeit für längere Zeit in Malaysia und habe mir vor kurzem ein Tattoo stechen lassen. Das Studio gibt es bereits seit 12 Jahren und der Tattoowierer machte einen erfahrenen Eindruck. Das Studio war nicht auf dem Stand eines Krankenhauses was die Sauberkeit betrifft, es war aber auch nicht total dreckig. Bei einem weiteren Termin habe ich mich dann stechen lassen. Mir wurde eine Vorlage auf die Haut übertragen, dann musste ich etwa 30 min warten. In dieser Zeit wurde niemand anderes tätowiert, ich selbst war der erste an diesem Tag. Anschließend hat mir der Tattoowierer die Nadeln gezeigt, er hat sie aus einer verschlossenen Einweg-Verpackung genommen. Für die Farben hat er frische Einweg-Döschen verwendet und während dem Stechen hat er mehrfach die Handschuhe gewechselt. Allerdings habe ich nicht gesehen, wie dir Tätowiermaschinene gereinigt/sterilisiert wurde und auch die Liege war nicht sterilisiert worden. Was wäre, wenn die Nadeln aus der Einwegverpackung schon mal gebraucht waren? Selbst wenn, müsste der Virus nach über einer halben Stunde Wartezeit ja inaktiv sein, oder? Beim Tätowieren hat meine Haut geblutet und der Tätowierer hat beim Reinigen mit den Handschuhen natürlich die Haut berührt. Ich sorge mich jetzt seit einiger Zeit, ob die Möglichkeit besteht, dass ich mich mit HIV infiziert haben könnte. Eigentlich dürfte es ja keine Chance zur Übertragung gegeben haben, oder? Ich werde selbstverständlich einen Test machen, allerdings ist dieser ja erst nach 3 Monaten richtig aussagekräftig. Was haltet ihr zudem von HIV Heimtest Kits aus der Apotheke? Besten Dank schon mal

Dr. med. Steffen Heger
Antwort des Experten Dr. med. Steffen Heger

Sehr geehrte(r) Zauberfee,

vielen Dank für Ihre Anfrage über die Internetplattform www.my-micromacro.net.

Sie haben sich in Malaysia tätowieren lassen und fragen sich nun, ob Sie sich dadurch mit HIV infiziert haben könnten.

Man geht heute davon aus, dass beim Tätowieren kein Risiko einer HIV-Übertragung besteht, wenn die üblichen Hygiene-Regeln eingehalten werden. Dazu gehören vor allem der Gebrauch von Einmalnadeln, das Tragen von Einmalhandschuhen durch den Tätowierer und dass alle Gegenstände, die mit Blut in Berührung kommen können, entweder Einmalartikel sind oder wirksam desinfiziert werden. Dagegen geht von der Liege keine Gefahr aus.

Nach Ihrer Beschreibung wurden diese Regeln eingehalten, wovon Sie sich mit eigenen Augen überzeugen konnten. Es hört sich nun so an, als ob Sie befürchten, der Tätowierer könnte Sie arglistig getäuscht haben, in dem er die Benutzung von Einmalartikeln nur vorgetäuscht hat. Natürlich ist jede Kuriosität grundsätzlich vorstellbar. Aber das klingt aus meiner Außenperspektive doch eher unwahrscheinlich.

Zusammengefasst halte ich nach Ihrer Beschreibung das Risiko einer HIV-Übertragung für eher gering. Wie immer gilt aber, dass Sie Sicherheit nur durch einen HIV-Test erlangen können.

Das leitet über zu Ihrer zweiten Frage. HIV-Heimtests sind weniger zuverlässig als die Tests, die von professionellen Labors durchgeführt werden. Das liegt zum einen an den Tests selbst und zum andern an der Möglichkeit von Anwendungsfehlern. Wenn Sie also eine sichere Aussage haben möchten, ist ein professioneller Test vorzuziehen. Diesen können Sie in Deutschland auf Wunsch auch anonym durchführen lassen, z.B. bei Ihrem örtlichen Gesundheitsamt.

Ich freue mich, wenn ich Ihnen weitergeholfen habe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med Steffen Heger
Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

 

Sehr geehrter Dr. med Steffen Heger,

danke für Ihre schnelle Antwort. Ja ich halte es auch für etwas unwahrscheinlich, dass der Tätowierer mir gebrauchte Nadeln extra in eine frische Verpackung einschweißt. Aber Angst habe ich natürlich jetzt trotzdem, weil es ja möglich wäre, dass die Nadel zumindest kein Einwegartikel gewesen sein könnte.

Aber ich denke, ich mache mich hier mehr verrückt als es eigentlich wert ist.

Ich werde mich dann hier in Malaysia in einem Krankenhaus testen lassen, allerdings könnte ich aufgrund meiner Urlaubsplanung nur 10 Wochen nach dem "RK" einen Test machen. Ist dieser Test dann aussagekräftig genug?

Sobald ich Ende März dann wieder in Deutschland bin, lasse ich beim Gesundheitsamt noch einen abschließenden Test machen.

Haben Sie vielleicht noch ein paar Tipps, wie ich mich ein wenig beruhigen könnte? Ich bin jetzt seit zwei Monaten in Malaysia und mache hier mein Praktikum und will mir jetzt wegen dieser Aktion nicht alles versauen.
Ich bin nur jetzt leicht panisch und fühle mich auch etwas krank - weil ich auch Angst vor Malaria, Dengue und Co habe.

Heute war es in der Arbeit im Büro wegen der Klimaanlage eiskalt und promt fühle ich mich etwas fiebrig. Das Fieberthermometer zeigt 36.8 Grad (rektal).

Vielen Dank
 

 

Liebe Zauberfee,

vielen Dank für Ihre Anfrage über die Internetplattform www.my-micromacro.net.

Das Immunsystem benötigt nach einer Infektion bei verschiedenen Menschen unterschiedlich viel Zeit, um in einem Test nachweisbare Antikörper zu bilden. Daher wird bei manchen der HIV-Antikörpertest nach einer Infektion sehr schnell positiv (innerhalb weniger Wochen), bei anderen dauert es länger. Die Zuverlässigkeit eines HIV-Antikörpertests wird somit nach einer Ansteckung mit HIV von Woche zu Woche immer größer.
Wenn es üblicherweise heißt, dass der Test nach 12 Wochen mit ziemlicher Sicherheit aussagekräftig ist, bedeutet das: Zu diesem Zeitpunkt wird der größte Anteil von HIVinfizierten Personen mit dem Test auch als positiv erkannt werden. In Einzelfällen kann es auch einmal länger dauern, bis ein Test positiv wird, in den meisten Fällen geht es dagegen deutlich schneller. Daher hat auch ein nach 10 Wochen durchgeführter Test schon eine ziemlich hohe Aussagekraft.

Konkret bedeutet das: Ich finde Ihre Planung, nach 10 Wochen einen Test in Malaysia zu machen und dann nach ihrer Rückkehr nach Deutschland einen zweiten Test zur Bestätigung, aus medizinischer Sicht und unter Berücksichtigung Ihrer Ängste, angemessen und ausreichend. Zumal das Infektionsrisiko – wie in meiner vorigen Antwort beschrieben – als eher gering anzusehen ist.

Nun schreiben Sie in Ihrer zweiten Mail, dass Sie auch noch von anderen Krankheitsbefürchtungen geplagt werden, die zu verstärkter Selbstbeobachtung auf mögliche Krankheitszeichen (eine Körpertemperatur von 36,8 ° C rektal ist übrigens völlig normal) führen. Dass Ihre Ängste sich nicht nur auf HIV beziehen, sondern auch auf andere Erkrankungen, könnte darauf hinweisen, dass Sie im Hintergrund auch noch eine andere Thematik beschäftigt. Natürlich kann ich hier nur spekulieren. Sie befinden sich zum Praktikum in einem fremden Land. Es wäre nicht ungewöhnlich, dass diese für Sie vermutlich ungewohnte und neue Situation auch mit einer allgemeinen Verunsicherung einhergeht. In solchen Situationen kann es ein seelischer Schutzmechanismus sein, wenn dieses allgemeine Verunsicherungsgefühl auf ganz konkrete Dinge verschoben wird, wie z.B. die Angst vor Krankheiten. Das hat den Sinn, dass man sich solchen konkreten Ängsten weniger hilflos ausgeliefert fühlt.

Wenn diese Vermutung zutrifft, könnte alles hilfreich sein, was zu einer Steigerung des allgemeinen Sicherheits- und Geborgenheitsgefühls beiträgt. Eine Möglichkeit schiene mir, das Gespräch mit vertrauten Menschen und die Nähe zu ihnen zu suchen. Wenn Sie nicht allein als Praktikant dort sind, werden Sie vielleicht von anderen erfahren, dass es denen ähnlich geht? Die meisten Menschen behalten solche Verunsicherungen zunächst für sich, sind aber möglicherweise ganz froh, wenn ihnen jemand die Möglichkeit anbietet, darüber zu sprechen. Zu erleben, dass es anderen ähnlich geht wie Ihnen, könnte eine große Hilfe sein.

Sollten Ihre Krankheitsbefürchtungen auch nach der Rückkehr nach Deutschland anhalten, empfehle ich Ihnen, lieber früher als später Kontakt mit einem Psychotherapeuten aufzunehmen, da solche Schwierigkeiten umso erfolgreicher behandelt werden können, je eher man etwas dagegen unternimmt. Mir ist klar, dass ich Ihnen leider kein Patentrezept anbieten konnte. Ich hoffe aber, diese Antwort hilft Ihnen trotzdem ein wenig weiter.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med Steffen Heger
Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

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