HIV INFEKTION NACH ONE-NIGHT-STAND?

Schwerpunkt: HIV & Männer, HIV Allgemein
25.03.2015

Sehr geehrter Dr. Glaunsinger, mir ist diese Seite und Ihr Hilfeforum aufgefallen und ich hoffe, Sie können mir weiterhelfen, weil ich etwas in Panik bin. Ich hatte vor 4 und 3 Wochen Geschlechtsverkehr mit mir eigentlich unbekannten Frauen (keine Prostituierten). Im Gespräch ergab es sich, dass beide sagten, dass Sie wohl schon recht viele Geschlechtspartner hatten. Bei dem One-Night-Stand vor 4 Wochen kam es zu beidseitigem Oralverkehr, Vaginalverkehr mit Kondom und einer Ölmassage bei mir. Könnte es ein Risiko bergen, wenn z.B. an der Ölflasche noch Sperma von einem möglichen Vorgänger ist? Der One-Night-Stand vor drei Wochen sah bis auf die Ölmassage genauso aus. Allerdings kam es hier zu leichtem Reiben der Penisspitze an ihrer Vagina ohne Schutz und ich erinnere mich, dass ich zwar keine wissentliche Verletzung oder Entzündung in dem Bereich hatte, jedoch etwas trockene Haut an der Eichel. Birgt das schon ein Risiko? Beim Geschlechtsverkehr mit Kondom bemerkten wir dann, dass sie gerade ihre Tage bekommen hat, weil ich neben uns Blut auf dem Laken bemerkte, was von meiner Hand ,mit der ich sie zuvor penetrierte kam. Wir brachen ab und sie ging ins Bad. Erst dann bemerkte ich, dass meine Hand recht blutverschmiert war, es aber schon getrocknet war. Nach ihr bin ich ins Bad, um es abzuwaschen. Allerdings hatte ich mir 24 Stunden zuvor die Nagelhaut mit einer kleinen Klinge entfernt und mich dabei an 3 Stellen geschnitten und ebenfalls 24 Stunden zuvor einen kleine Schürffwunde am Fingergelenk zugezogen. Würde dies schon als Eintrittspforte reichen, wenn beispielsweise durch einen festen Griff, abstützen und reiben am Laken, sich die 24 Stunden alten Wunden minimal öffnen, ohne dass ich es bemerkt habe? Meine Sorge entstand dadurch, dass ich kurz nach dem zweiten One-Night-Stand eine leichte Erkältung bekommen habe und seither Schnupfen habe. Seit ca. einer Woche ist ein Lymphknoten unter dem Ohr etwas geschwollen, ich habe leichte Halsschmerzen und Druck auf besagtem Ohr. Seit einigen Tagen habe ich jetzt noch ein unangenehmes Gefühl und laute Geräusche im Bauchraum und seit heute etwas Durchfall. Ich danke Ihnen schon jetzt sehr herzlich für Ihre Antwort!

Dr. med. Tobias Glaunsinger
Antwort des Experten Dr. med. Tobias Glaunsinger

Sehr geehrter „Jhonny“ ,

vielen Dank für Ihre Anfrage über die Internetplattform www.my-micromacro.net.

Prinzipiell muss gesagt werden, das nur dann ein Risiko für Sie bestünde, wenn eine der beiden Frauen wirklich eine (unbehandelte) HIV-Infektion gehabt hätte. Dies ist jedoch in Anbetracht der Tatsache, dass der allergrößte Teil der in Deutschland lebenden HIV-infizierten Menschen Männer, meist homo-und bisexuelle Männer sind, recht unwahrscheinlich. Dennoch: Natürlich gibt es auch HIV-infizierte heterosexuelle Frauen. Nur eben sehr selten.

Prinzipiell könnte man vermuten, dass der Kontakt größerer Mengen Menstruationsblut mit kleinen Verletzungen an der Haut durchaus eine potenzielle Infektionsgefahr birgt. Diese ist jedoch als insgesamt dennoch gering einzuschätzen. Man weiß beispielsweise, dass das Risiko, sich an einer Hohlraumnadel (Blutentnahmekanüle) zu infizieren, die kurz vorher mit dem Blut eines HIV-Patienten benetzt wurde (Blutentnahme) und versehentlich den eigenen Körper verletzt hat (Stichverletzung), bei statistisch gesehen unter 1% liegt.

Die von Ihnen geschilderten Beschwerden sind zunächst einmal unspezifisch. Es ist überhaupt nicht ungewöhnlich, während der Haupterkältungszeit Symptome eines Erkältungsinfekts zu bekommen.

Dennoch: Sicherheit wird erst ein HIV-Test bringen. Dieser ist 4-6 Wochen nach einer vermeintlichen Gefährdungssituation schon recht aussagekräftig. Hierfür empfehle ich Ihnen, sich an ihren Hausarzt oder eine AIDS-Hilfe-Einrichtung in ihrer Wohnortnähe zu wenden.

Ich freue mich, wenn ich Ihnen weitergeholfen habe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med Tobias Glaunsinger
Facharzt für Allgemeinmedizin und Infektiologie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

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