HIV MIT APLASTISCHER ANÄMIE

Schwerpunkt: HIV & Männer, HIV Allgemein
26.12.2013

Sehr geehrter Dr. Glaunsinger, ich finde es wirklich super, dass sie hier für allerhand Fragen zur Verfügung stehen. In letzter Zeit hat sich bei mir auch eine Frage aufgetan, über die ich mir schon viele Gedanken gemacht habe. Seit ungefähr drei Monaten habe ich einen neuen Freund (er ist 18, ich 17). Ich hatte vor ihm bereits einen Partner mit dem ich Sex hatte, es war für uns beide das erste Mal und so haben wir nur mit Pille verhütet. Mein jetziger Freund hatte vor mir eine Sexpartnerin, die er nicht wirklich gut kannte und die auch schon mit mehreren Männern Geschlechtsverkehr hatte. Sie haben nicht immer ein Kondom benutzt. Daher habe ich Angst, dass er sich evtl. infiziert haben könnte. Wir wollen bald miteinander schlafen, am besten ohne Kondom. Eigentlich wäre es mir am liebsten, er/wir würden einen HIV-Test machen. Allerdings hatte mein Freund vor 2-3 Jahren eine schwere aplastische Anamie. Eine Krankheit, die sein Immunsystem sehr geschwächt hat. Ihm wird auch heute noch in regelmäßigen Abständen Blut abgenommen, um seine Werte zu überprüfen. Ich kenne mich leider nicht so gut mit dieser Krankheit aus. Auf jeden Fall meinte er, wenn er HIV infiziert wäre, wäre er wegen seiner Krankheit schon lange nicht mehr am Leben, weil Aids sein Immunsystem zudem noch geschwächt hätte. Außerdem ist er der Meinung, dass man beim Blutabnehmen etwas hätte feststellen müssen. Stimmt das? Ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar, wenn Sie mir weiterhelfen könnten. Vielen Dank im Voraus , Fiona

Dr. med. Tobias Glaunsinger
Antwort des Experten Dr. med. Tobias Glaunsinger

Sehr geehrte Fiona,

zunächst einmal ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ihr Freund bei einem heterosexuellen Sexualkontakt mit einer anderen jungen Frau mit HIV infiziert haben könnte relativ gering. Auch wenn HIV keineswegs auf Risikogruppen beschränkt ist, ist die Wahrscheinlichkeit außerhalb der Hochrisikogruppen (insbesondere schwule und bisexuelle Männer) auf eine(n) HIV-infizierten Partner/in zu treffen relativ gering. 100%ig ausschließen kann dies natürlich niemand.

Um sicher zu gehen, sollte ein HIV-Test erfolgen.

Bei der aplastischen Anämie kommt es zu einer verminderten Bildung von roten Blutzellen, Blutplättchen und vorzugsweise einer Untergruppe der weißen Blutzellen, der so genannten Granulozyten. Da Letztere insbesondere für die Immunantwort gegen Bakterien und Pilze verantwortlich sind, haben die erkrankten Patienten in der Tat ein erhöhtes Infektionsrisiko, insbesondere durch Infektionen mit Bakterien und Pilzen. HIV schädigt insbesondere die so genannten Lymphozyten, eine andere Untergruppe der weißen Blutzellen. Die pauschale Aussage, im Rahmen einer aplastischen Anämie hätte man eine HIV-Infektion bemerken müssen, würde ich nicht 100%ig unterschreiben.

Problematisch könnte jedoch sein, dass im Rahmen der aplastischen Anämie oder als Folge von deren Behandlung die Produktion von Antikörpern als Reaktion auf eine Infektion beeinträchtigt sein könnte. Somit könnte ein klassischer HIV-Test, der auf dem Nachweis von Antikörpern gegen HIV beruht, unter Umständen falsch negativ ausfallen. Im Zweifelsfall sollte also eine Testung mittels so genannter PCR, also ein Nachweis der Erbinformation des Virus erfolgen. Diese Tests sind relativ teuer. Viele Hausärzte haben deshalb Zurückhaltungen, diese Tests durchzuführen. Im Zweifelsfall könnten Sie Kontakt zu einem Infektiologen aufnehmen. Adressen können Sie über die örtlichen AIDS-Hilfe Einrichtungen in ihrem Wohnort erfahren. Gegebenenfalls auch über die kassenärztlichen Vereinigungen. Auch auf dieser Website finden sie Adressen von spezialisierten Ärzten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med Tobias Glaunsinger
Facharzt für Allgemeinmedizin und Infektiologie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

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