HIV TEST BEIM BLUT SPENDEN

Schwerpunkt: HIV & Männer, HIV Allgemein
27.11.2012

Ich will mich als Vorsichtsmaßnahme auf HIV testen lassen. Ist dies auch möglich, indem man Blut spenden geht (da ja dort theoretisch auch ein Test durchgeführt werden muss, der die "Spendertauglichkeit" bescheinigt) oder sind diese Tests ungenauer? Was ist der Unterschied zwischen diesem Test und einem Test, der in einer dafür spezialisierten Klinik durchgeführt wird?

Dr. med. Tobias Glaunsinger
Antwort des Experten Dr. med. Tobias Glaunsinger

Liebe(r) Flo,

vielen Dank für Ihre Anfrage über die Internetplattform www.my-micromacro.net.

Prinzipiell werden auch die Blutspenden mittels eines „klassischen HIV-Antikörpersuchtest“ auf HIV getestet. Und sollten Antikörper gegen HIV in Ihrem Blut sein, werden diese beim Test auch nachgewiesen. Dann werden Sie vom Blutspendedienst informiert, dass Sie positiv auf HIV getestet wurden. Im Interesse der Sicherheit der Blutprodukte sollten Sie jedoch eine Blutspende nicht als HIV-Test betrachten.

Wenn Sie sich nämlich frisch mit HIV anstecken, so sind in den ersten 2-4 Wochen noch keine Antikörper gegen HIV in Ihrem Blut nachweisbar. Somit wird – genau wie bei einem Test beim Arzt oder im Gesundheitsamt – der Test negativ ausfallen. Problematischerweise enthält Ihr Blut aber gerade in dieser Zeit potenziell besonders viel HI-Virus. Gerade in den ersten Wochen der eigenen Infektion kommt es nämlich zunächst zu einer ungehemmten Vermehrung von HIV im Körper. Das Immunsystem braucht jedoch eine Weile, eh es den „Eindringling“ als solchen wahrnimmt und eine Immunantwort dagegen (u.a. Bildung von Antikörpern) formiert. Und hier käme es zu dem Risiko, dass diese Blutspende im Test HIV-Antikörpertest negativ ist, in Wirklichkeit aber potenziell viel Virus enthält.
Zwar werden „Pools“ (Gemische) mehrerer Blutspenden vom Blutspendedienst dann noch auf das Vorliegen von HIV-Erbinformation (Viruslast-Test/PCR) getestet. Im ungünstigsten Fall wäre dann aber das Virus aus einer Probe im Gemisch vieler Proben so weit verdünnt, dass der Test aus dem Pool das Virus nicht sicher erfasst. In diesem Fall würde eine Gefährdung des Empfängers der Spende drohen.
Aus diesem Grund erfolgt bei den meisten Blutspendediensten bis heute eine ge-naue Befragung der Spender zu Risikosituationen bezüglich des Erwerbs einer HIV-Infektion. Sollte dabei ein relevantes Risiko erkennbar sein, werden die potenziellen Spender nicht zur Spende zugelassen – im Interesse der Spendenempfänger.

Hier noch einmal ein paar Hinweise zu unterschiedlichen Testverfahren:
Moderne „klassische“ HIV-Tests - die in fast jedem medizinischen Labor durchgeführt werden - weisen neben Antikörpern gegen HIV auch Teile des Virus selbst ("Antigen") nach. Diese Tests sind meist 2-3 Wochen nach einer Ansteckung bereits positiv. In Einzelfällen kann es jedoch sicher auch mal länger dauern, eh man ein sicher positives Ergebnis findet. Um eine HIV-Infektion mittels eines solchen Tests ganz sicher auszuschließen, sollte er drei Monate nach dem potenziell infektiösen Ereignis durchgeführt werden.
Bei weiter bestehendem Verdacht kann der Arzt jedoch auch einen Test auf das Virus selbst - beziehungsweise auf dessen Erbsubstanz - durchführen lassen ("PCR"). Dieser Test weist sehr empfindlich (!) kleinste Mengen der Erbinformation des Virus nach und verrät die Infektion noch früher als der "klassische" HIV-Antikörper-Antigen-Test. Eines der Probleme besteht darin, dass der PCR-Test sehr aufwändig und viel teurer als der Antikörpertest ist.

Ich freue mich, wenn ich Ihnen weitergeholfen habe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med Tobias Glaunsinger
Facharzt für Allgemeinmedizin und Infektiologie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

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