HIV-TEST NACH VERSCHIEDENEN SYMPTOMEN

Schwerpunkt: HIV & Frauen, Schwangerschaft
10.07.2016

Hallo, seit drei Tagen weiß ich, dass meine Tochter, 24 Jahre, HIV positiv ist, ich selber arbeite im medizinischen Bereich schon über Jahrzehnte, genau kenne ich mich allerdings mit der Infektion nicht aus, pure Verzweiflung macht sich bei mir breit. Kann man den HIV Virus ggf. durch eine Apharese aus dem Körper filtern? Momentan ist es so, dass meine Tochter wohl seit ca. vier Monaten den Virus in sich trägt, und der Krankheitsverlauf hammermäßig war und nicht ein Arzt auf die Idee gekommen ist, dass es sich um den HIV Virus handeln könnte. Ich bin bin wie gelähmt und geschockt zugleich. Angefangen hat es damit, dass sie einen Mann kennen gelernt hat, dem man es wohl nicht ansehen konnte, dass er den Virus in sich trägt und ich denke, er wußte es selber nicht. Meine Tochter ist Erzieherin und arbeitet in einem Kindergarten, sie hatte sich Anfang März eine dicke Mandelentzündung eingefangen und Antibiotika verschrieben bekommen. In dieser Zeit hatte sie ungeschützten Verkehr. Gleich danach folgte dann wohl eine heftige Pilzinfektion, Verdacht auf Pfeiffersches Drüsenfieber, Vor allem Herpes im Scheidenbereich, hatte sich aber alles nicht bestätigt, man hat weiter gerätselt und ihr Salben für den Intimbereich verschrieben. Meine Tochter hat in der Zeit von Oktober 2015 bis jetzt 16 Kilo abgenommen, darauf war sie sehr stolz. Nachdem ihr Intimbereich sich wieder beruhigt hatte, klagte sie über extremen Haarausfall, wir glaubten an einen Vitaminmangel. Schwellungen in der Leiste machten ihr Sorgen, ein Knoten, der wohl einen Lymphknotenschwellung war - das schoben wir auf das Antibiotikaeinnahme. Wir machten uns weiter Sorgen. Sport machte sie weiter intensiv, fühlte sich aber immer wieder schlapp. Den Haarausfall führte ihr Frauenarzt auf die Pille zurück und riet uns abzuwarten. Da kamen unklare Bauchschmerzen hinzu, gelegentlich klagte sie auch über anale Schmerzen, ich führte es ggf. auf innerliche Hämaorrhoiden zurück. Weder ich noch ein Arzt kamen auf die Idee doch mal einen HIV Test zu machen. Letzte Woche war meine Tochter zum Blutspenden, sie sagte dort, dass sie Antibiotika genommen habe und man sagte ihr, es sei nicht schlimm. Einen Tag später klingelte ihr Telefon, der Blutspendedienst bat sie darum vorbei zu kommen, man hätte etwas in ihrem Blut gefunden. Große Angst machte sich breit und meine Tochter hatte wohl einen Vorahnung und tippte sofort auf HIV. Tja, jetzt ist es Tatsache, sie ist infiziert mit diesem Virus und ich bete und hoffe, dass wir damit leben können. Warum ist niemand darauf gekommen, dass es HIV sein könnte, ich verstehe es nicht, gerade Ärzte müssten doch auch daran denken. Am kommenden Freitag soll sie wieder zum Arzt, dann werden die endgültigen Blutwerte vorliegen und ich hoffe, dass ganz schnell mit der Therapie begonnen wird, damit sich der Virus nicht weiter ausbreitet. Ich hoffe, dass sich der Virus eindämmen läßt und das meine Tochter lernt, mit dieser Krankheit zu leben. Ich bin zu unendlich verzweifelt und traurig.

Dr. med. Katja Römer
Antwort des Experten Dr. med. Katja Römer

Sehr geehrter Fragender bzw. sehr geehrte Fragende,

vielen Dank für Ihre Anfrage über die Internetplattform www.my-micromacro.net. Die Symptome einer HIV-Infektion sind gerade in einem frühen Stadium nicht typisch und daher auch nicht einfach zuzuordnen. Genau wie Sie beschrieben haben, kann es zu grippeähnlichen Krankheitsbildern, Lymphknotenschwellungen und Pilzinfektionen kommen. Da diese Symptome aber eben auch bei anderen Erkrankungen vorkommen, erfolgt ein HIV-Test nicht immer als Erstes.

Ist die Diagnose schließlich gestellt, werden neben der regulären Blutabnahme auch spezielle Werte bestimmt. Insbesondere die Helfer- oder CD4-Zellen geben hier Hinweise auf das Stadium der HIV-Infektion. Diese Zellen sind der Angriffspunkt für das Virus und ihre Verminderung führt zu einer geschwächten Immunabwehr. Dies gilt es zu verhindern.

Sind alle notwendigen Informationen vorhanden, kann bzw. sollte nach aktueller Leitlinie eine Gabe von Tabletten erfolgen. Die Medikamente verhindern die Virusvermehrung und damit den Verlust der CD4-Zellen. So wird das Fortschreiten der Immunschwäche verhindert. Diese Therapie sollte lebenslang erfolgen.
Die neueren Medikamente sind auch auf lange Sicht gut verträglich. Damit wird den Betroffenen ein symptomfreies Leben mit einer annähernd normalen Lebenserwartung ermöglicht.

Leider gibt es im Moment keine Therapie, die das Virus komplett aus dem Körper entfernen kann, so dass derzeit noch die tägliche Tablettentherapie Standard ist. Wichtig ist die Behandlung durch einen spezialisierten Arzt, der Ihre Tochter dann auch gut beraten und weiterhin begleiten kann.

Ich freue mich, wenn ich Ihnen weitergeholfen habe.

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