INFEKTIONSRISIKO MIT HIV

Schwerpunkt: HIV & Männer, HIV Allgemein
06.11.2013

Hallo, ich bin 32 Jahre alt, seit knapp sechs Jahren positiv und seit ca. drei Jahren in Therapie. Seit einem Jahr bin ich unter der Nachweisgrenze (unter 50 Kopien). Nun hatte ich bei der letzten Untersuchung einen Anstieg (150 Kopien) und zwar über der Nachweisgrenze. Die nächste Untersuchung folgt in Kürze. Ich mache mir nun Sorgen über das Infektionsrisiko für meinen HIV-negativen Partner. Ich achte zwar auf Safer Sex, dennoch entspannt der Gedanke sehr, dass der Virus unter der Nachweisgrenze ist. Einige sexuellen Praktiken haben wir dadurch zugelassen (Sperma im Mund, Sperma auf der Eichel). Ist dies ein eklatanter Anstieg mit einem relevant höheren Ansteckungsrisiko? Insbesondere bezogen auf die genannten sexuellen Praktiken? Danke schön und viele Grüße Felix

Dr. med. Tobias Glaunsinger
Antwort des Experten Dr. med. Tobias Glaunsinger

Sehr geehrter Felix81 ,

vielen Dank für Ihre Anfrage über die Internetplattform www.my-micromacro.net.

Wie so oft in der Medizin beziehungsweise der Biologie können wir hier nicht von Schwarz und Weiß, sondern müssen von einer Vielzahl von Grautönen reden.

Ein Viruslastanstieg von unter 50 Kopien pro Milliliter auf 150 Kopien pro Milliliter ist sicher deutlich weniger relevant bezüglich der Wahrscheinlichkeit, die Infektion auf andere Menschen zu übertragen, als ein Anstieg auf 15.000 Kopien/ml. Genau gesagt wird man im Körper vieler HIVInfizierter immer wieder mal ähnliche Viruslasten messen können, wenn man nur oft genug untersuchen würde. Es ist recht gut bekannt, dass eine Vielzahl von Infizierten immer mal wieder kleine Viruslasten im Blut nachweisbar haben. Im Fachbegriff reden wir von so genannten "Blips". Diese halten oft nur wenige Tage an und die Viruslast ist bei Kontrolluntersuchungen dann wieder unter 50 Kopien pro Milliliter. Ursache für derartige vorübergehende Viruslasterhöhungen sind z.B. akute Infekte oder Impfungen. Durch eine Stimulation des Immunsystems kann es zur Aktivierung ruhender Immunzellen kommen, die das Virus in sich tragen und dieses dann aktiv vermehren. Ob eine solche vorübergehende Erhöhung der Virusmenge im Blut immer auch mit einer parallelen Nachweisbarkeit oder erhöhten Konzentration von Virus im Sperma einhergeht ist nicht sicher geklärt.

Nach allem, was wir wissen, ist eine gute HIV-Therapie der wahrscheinlich sicherste Weg, eine Übertragung des Virus auf einen Partner zu verhindern. Sehr wahrscheinlich führen ganz geringe,
vorübergehende Viruslasterhöhungen nicht zu einer deutlich gesteigerten Ansteckungsgefahr. Zudem muss man bedenken, dass HIV insgesamt eine relativ schlecht übertragbares Virus ist. Selbst im Fall eines ungeschützten passiven Analverkehrs mit Ejakulation eines nicht antiviral behandelten, HIV-infizierten Partners in den Anus liegt das Infektionsrisiko bei wahrscheinlich unter einem, sehr wahrscheinlich unter 10%. Hier reden wir dann jedoch in der Regel von Viruslasten in der Höhe von mehreren Tausend Kopien pro Milliliter.

Ich freue mich, wenn ich Ihnen weitergeholfen habe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med Tobias Glaunsinger
Facharzt für Allgemeinmedizin und Infektiologie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

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