PANIKATTACKEN WEGEN HIV

Schwerpunkt: HIV & Psyche
04.09.2012

Vor zwei Monaten ist bei mir eine HIV-Infektion festgestellt worden. Letzte Woche bin ich nachts schweißgebadet aufgewacht, hatte Herzrasen, ein Druckgefühl auf der Brust und panische Angst, einen Herzinfarkt zu bekommen. Ich habe den Notarzt gerufen, der mich ins Krankenhaus gebracht hat. Dort wurde ich in der Notaufnahme untersucht. Es konnte aber nichts festgestellt worden. Man hat mir Valium gegeben und mich wieder nach Hause geschickt. Seitdem schlafe ich schlecht und habe ständig Angst, dass mir so etwas wieder passiert. Außerdem mache ich mir ständig Sorgen, dass mit meinem Herzen etwas nicht in Ordnung ist. Was soll ich tun?

Dr. med. Steffen Heger
Antwort des Experten Dr. med. Steffen Heger

Wenn solche alarmierenden Symptome erstmals auftreten, ist es natürlich richtig, unverzüglich eine ärztliche Untersuchung zu veranlassen, um eine körperliche Erkrankung wie z.B. einen Herzinfarkt auszuschließen. Das geschieht meistens durch eine gründliche körperliche Untersuchung einschließlich EKG und Blutuntersuchung. Ob darüber hinaus weitere Untersuchungen sinnvoll sind, entscheidet man am besten gemeinsam mit dem Hausarzt. Wenn eine körperliche Erkrankung ausgeschlossen wurde und die Ängste wie bei Ihnen trotzdem weiter bestehen, sollte man nicht zu lange zögern, sich an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie zu wenden. Wahrscheinlich handelte es sich nämlich um eine Panikattacke. Panikattacken, also Angstanfälle, die sich vor allem durch die von Ihnen beschriebenen körperlichen Symptome äußern, sind für den Betroffenen sehr einschneidende Erlebnisse. Sie können zu einer nachhaltigen Verunsicherung führen. Oft ist danach ständig die Angst im Hinterkopf, das Ereignis könnte sich wiederholen und nicht selten traut man sich kaum mehr zu, sein Leben ganz normal weiter zu führen. Panikattacken oder andere Angstsymptome sind als Reaktion auf die Erstdiagnose einer HIV-Infektion nicht selten und es gibt wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Keinesfalls sollte man versuchen, die Ängste über einen längeren Zeitraum mit Beruhigungs- oder Schlafmitteln zu behandeln oder gar mit Alkohol zu unterdrücken. Die Gefahr einer Suchtentwicklung ist sonst recht groß.

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