PASSIVER ORALSEX IN ZUSAMMENHANG MIT MS MEDIKAMENTEN

Schwerpunkt: HIV & Männer, HIV Allgemein
01.06.2017

Sehr geehrtes Micro Macro Team, Ich hoffe, diese Frage ist nicht zu spezifisch und Sie können mir helfen. Ich war der Auffassung, dass Oralsex für den passiven Partner (wenn kein Blut oder sonstige Verletzungen vorhanden sind) kein Infektionsrisiko darstellt. Wie ist das Ansteckungsrisiko bei dieser Praktik, bei vorliegenden Infektionen, z.B. grippaler Infekt, und/oder bei Einnahme von Medikamenten die das Immunsystem modellieren / beeinflussen? Konkret: Ist passiver Oralsex, bei gleichzeitiger Einnahme von Fingolimod (zur Behandlung einer Multiplen Sklerose) genauso als "ungefährlich" zu beurteilen? Oder kann es zu einer Infektion gekommen sein, weil das Immunsystem geschwächt ist? Danke

Dr. med. Tobias Glaunsinger
Antwort des Experten Dr. med. Tobias Glaunsinger

Sehr geehrter „Fragender“,

vielen Dank für Ihre Anfrage über die Internetplattform www.my-micromacro.net.

Ihre Frage ist sehr spezifisch und niemand wird Ihnen diese 100%ig beantworten können, weil es hierzu meines Wissens keinerlei Untersuchungen gibt.

Sie müssen sich die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung auch eher nicht als schwarz/weiß, sondern ein Grauwert-Kontinuum vorstellen, bei welchem VIELE Einflussfaktoren die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung mal höher, mal niedriger werden lassen.

Zum einen ist die wichtigste Frage, ob überhaupt HIV da ist, also ist der/die Partner/in überhaupt infiziert. Wenn ja, in welcher Menge/Konzentration befindet sich HIV in dessen Körpersekreten (Blut, Sperma, Vaginalsekrete…). In der Regel ist eine gute antivirale Therapie des Infizierten bereits ein sehr guter Schutz gegen eine HIV-Übertragung, weil dessen HIV bereits weitestgehend supprimiert ist. Schließlich ist da noch die Frage, ob überhaupt infektiöse Flüssigkeiten wie Blut übertragen werden. Hierzu wären Verletzungen der Mundschleimhaut der/des aktiven, HIVinfizierten Partner/in nötig.

Auf der Seite des potenziellen „Empfängers“ kommen auch viele Faktoren zum Einfluss. Als wichtigstes sicher Verletzungen oder Entzündungen der Mundschleimhaut. Diese können die Barrierefunktion der Schleimhaut gegen eine Infektion herabsetzen und durch das vermehrte Vorhandensein von Entzündungszellen eine Vielzahl von Zielzellen des HI-Virus an den Ort der Übertragung bringen.

Über den Einfluss von Fingolimod kann man jetzt nur spekulieren: Das Medikament vermindert die Anzahl von Lymphozyten, also potenziellen Zielzellen von HIV im Blut. Dies KÖNNTE eine Infektion sogar weniger wahrscheinlich machen, weil sich weniger Zielzellen am Ort eines potenziellen Eintritts von HIV in den Körper befinden. Andererseits sind natürlich auch gerade diese Lymphozyten an der Abwehr von Virusinfektionen beteiligt. Welcher Nettoeffekt hier überwiegt, bleibt meines Erachtens Spekulation…

Insgesamt gilt jedoch passiver Oralverkehr als eine SEHR risikoarme Sexualpraktik.

Ich freue mich wenn ich Ihnen weitergeholfen habe.

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