SCHWANGER WERDEN TROTZ HIV

Schwerpunkt: HIV & Frauen, Schwangerschaft
12.01.2014

Guten Tag, ich bin 36 Jahre alt und HIV positiv. Die Viruslast ist momentan so niedrig, dass der Virus nicht nachweisbar ist. Ich habe mir immer ein Kind gewünscht, habe aber keinen Freund. Gibt es die Möglichkeit mich mit Hilfe von Spendersamen künstlich befruchten zu lassen? Welche Kliniken sind dabei hilfreich? Bitte helfen Sie mir, ich möchte endlich mal mit diesen Thema abschließen, wenn es irgendwie möglich ist. Vielen Dank.

Dr. med. Katja Römer
Antwort des Experten Dr. med. Katja Römer

Sehr geehrte „Netti“,

eine Schwangerschaft ist natürlich grundsätzlich möglich, wenn Sie von HIV betroffen sind. Auch können Sie eine Kinderwunschbehandlung in Anspruch nehmen. In Deutschland gibt es viele Kinderwunschzentren, ein Teil befindet sich an Universitätskliniken. All diese Zentren stehen Ihnen für unverbindliche Auskünfte und notwendige Voruntersuchung zur Verfügung.
In Deutschland ist in Partnerschaften eine Kinderwunschbehandlung möglich, auch wenn ein oder beide Partner von HIV betroffen sind. Die Voruntersuchungen und die Behandlung werden auch in diesen Fällen je nach Situation ganz oder teilweise von der Krankenkasse übernommen. Zur Beratung der Paare werden die Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung HIV-betroffener Paare mit Kinderwunsch herangezogen.
Allerdings muss als Voraussetzung für eine Kinderwunschbehandlung in Deutschland eine feste Partnerschaft oder Ehe bestehen. Die Richtlinie der Bundesärztekammer ist hier ganz eindeutig. Nur dann, wenn auch ein (Ehe-) Partner vorhanden ist, kann die Behandlung auch durchgeführt werden. Liegen besondere Voraussetzungen bei diesem Paar vor, kann bei der Behandlung nach besonderer Beratung über rechtliche und psychosoziale Aspekte auch Spendersamen verwendet werden. In Deutschland lassen die Richtlinien also die Behandlung einer alleinstehenden Frau mit Spendersamen nicht zu.
Anbei noch einige Informationen zum Weiterlesen.

Zum Weiterlesen:
Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung HIV-betroffener Paare mit Kinderwunsch

Richtlinien der Bundesärztekammer: Richtlinie zur Durchführung der assistierten Reproduktion, Novelle 2006, hier besonders Abschnitt 2.1.6, 3.1.1, und Abschnitt 5.3.

Die Behandlung einer alleinstehenden Frau mit Spendersamen („heterologe Insemination) kommentiert die o.g. Richtlinie der Bundesärztekammer folgendermaßen:
„Zu 3.1.1. Statusrechtliche Voraussetzungen
....
Eine heterologe Insemination wird auch im Hinblick auf die mit dieser Methode verbundenen rechtlichen Konsequenzen und Unwägbarkeiten an zusätzlich enge Voraussetzungen geknüpft. Bei nicht miteinander verheirateten Paaren wird dabei einer heterologen Insemination mit besonderer Zurückhaltung zu begegnen sein; sie erklärt sich aus dem Ziel, dem so gezeugten Kind eine stabile Beziehung zu beiden Elternteilen zu sichern. Aus diesem Grund ist eine heterologe Insemination zurzeit bei Frauen ausgeschlossen, die in keiner Partnerschaft oder in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben.
....“

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med Katja Römer
Fachärztin für Allgemeinmedizin und Infektiologie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

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