HIV -Infektion als Stigma: Wie gehe ich damit um?

Ausgrenzung und Stigmatisierung aufgrund seiner HIV -Infektion erlebt zu haben, berichtete ungefähr jeder zweite Befragte in einer Studie mit HIV -infizierten Menschen. Solche Erfahrungen sind nicht nur verletzend und entmutigend, sie schaden auch dem Selbstwertgefühl und können zu seelischen Erkrankungen wie depressiven Reaktionen führen. Wie kann ich mich davor schützen?

HIV-Infektion als Stigma: Wie gehe ich damit um?
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Ausgrenzung und Stigmatisierung aufgrund der HIV -Infektion gehören leider noch immer zum Alltag vieler Betroffener. Diskriminierungen können ganz offen (z.B. Beschimpfung, tätlicher Angriff, Ausschluss von gesellschaftlichen Veranstaltungen, Mobbing) oder eher versteckt ablaufen (z.B. Rückzug aus dem Kontakt oder „höfliche Distanz“). Am häufigsten berichten Betroffene über Tratsch hinter ihrem Rücken und über Ablehnung durch Sexualpartner. Erschreckenderweise kommt Ausgrenzung aber auch im Gesundheitssystem vor, wenn beispielsweise aufgrund der HIV -Infektion eine Zahnbehandlung verweigert wird.

Solche Erfahrungen belasten vor allem schwule Männer umso mehr, weil viele von ihnen bereits im Zusammenhang mit ihrem Anderssein und dem schwulen Coming-out ähnlich negative Erfahrungen gemacht haben. In diesen Fällen wird die Diskriminierung zu einem Déjà-vu-Erlebnis und reißt alte Wunden wieder auf. Im schlimmsten Fall übernimmt der Betroffene die ablehnende Haltung seiner Umgebung und beginnt, sich selbst abzulehnen: Etwa ein Drittel aller HIV -Infizierten berichtete in der genannten Studie über Scham und Schuldgefühle im Zusammenhang mit der Infektion. Depressionen bis hin zu lebensmüden Gedanken sind als Folge leider nicht selten.

Gemeinsam gegen Diskriminierung und Stigmatisierung von HIV vorgehen

Die Studie zeigt aber auch einen ermutigenden Ausweg auf: sich mit anderen zu vernetzen, zu solidarisieren und sich gemeinsam gegen die Diskriminierung zur Wehr zu setzen. Möglichkeiten dazu bestehen zum Beispiel im Besuch von Selbsthilfegruppen oder durch Engagement in Gruppen, die gemeinsam gegen Diskriminierung vorgehen. Das kann beispielsweise in der Aidshilfe sein, in Menschenrechtsorganisationen, in politischen Parteien oder auch im Betriebsrat. Wenn du über genügend Mut und Selbstbewusstsein verfügst, kannst du natürlich auch die Personen direkt zur Rede stellen, von denen du dich wegen deiner Infektion ausgegrenzt und abgelehnt fühlst.

Denn es ist für die seelische Gesundheit deutlich besser, sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren, als sich mit der Opferrolle abzufinden!

Darüber hinaus kannst du andere Personen in ähnlicher Lage zum Erfahrungsaustausch oder für gemeinsame Unternehmungen mit dem Tool „Somebuddy like me“ finden.

Autor: Dr. Steffen Heger

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