Chemsex und HIV : Wann Drogengebrauch zum Drogenmissbrauch wird

Der Gebrauch von Drogen zum Sex (Chemsex ) ist vor allem unter HIV -positiven schwulen Männern in Großstädten zu einem verbreiteten Verhalten geworden. Der Übergang vom gelegentlichen Partydrogengebrauch zum problematischen Drogenmissbrauch vollzieht sich meist schleichend. Woran du erkennst, ob dein Drogengebrauch außer Kontrolle gerät, erfährst du hier.

Drogenmissbrauch bei Chemsex
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Der Wunsch nach Rausch begleitet wohl die gesamte Geschichte der Menschheit. Die Zusammenhänge, in denen Drogen konsumiert werden, und die Art der verwendeten Substanzen haben sich dabei ständig verändert. Seit einigen Jahren hat sich in der schwulen Szene (und hier insbesondere unter HIV -Positiven) der Gebrauch von Drogen zum Sex (Chemsex ) immer weiter ausgebreitet. Was diesen Konsum von anderen Rauschzuständen unterscheidet, ist einerseits die Verwendung sehr potenter Wirkstoffe und andererseits der Mischkonsum von mehreren Substanzen gleichzeitig.

Während manche ihren Drogenkonsum auf den gelegentlichen Gebrauch begrenzen und dabei ihr übliches Leben ohne nennenswerte Schwierigkeiten weiterführen können, sich seelisch wohlfühlen und ihren Verpflichtungen weiter nachkommen, geraten andere allmählich in einen gewohnheitsmäßigen Konsum und tragen dabei körperliche, seelische oder soziale Schäden davon. Das geschieht zunächst fast immer unbemerkt.

Zehn Fragen, die man sich selbst stellen sollte

Die folgenden zehn Fragen können dir helfen zu erkennen, ob dein Verhalten anfängt, dir zu schaden:

  1. Kannst du dich noch erinnern, wann du das letzte Mal in nüchternem Zustand Sex hattest?
  2. Kannst du Sex auch ohne Drogen noch genießen?
  3. Hast du manchmal Drogen genommen, um unangenehme Gefühlszustände zu beenden? Hast du z. B. Drogen konsumiert, um den Kater nach einer Chemsex -Session loszuwerden?
  4. Ist es dir schon passiert, dass du wegen des Drogenkonsums oder der Nachwirkungen deinen üblichen Verpflichtungen nicht nachkommen konntest? Bist du z. B. von der Arbeit ferngeblieben oder hast Verabredungen abgesagt?
  5. Hast du in letzter Zeit Veränderungen deiner Stimmung an dir festgestellt? Bist du zum Beispiel lustloser und antriebloser geworden? Kreisen deine Gedanken sehr häufig um das Thema Drogen und Chemsex ?
  6. Hast du unter Drogeneinfluss Dinge getan, an die du dich später nicht erinnern konntest? Oder bist du einmal nach Drogenkonsum aufgewacht und wusstest nicht, wie du nach Hause gekommen bist?
  7. Ist es dir schon einmal passiert, dass du bei einer Chemsex -Session viel mehr Drogen genommen hast, als du eigentlich vorhattest? Oder hast du andere Dinge getan, die du eigentlich nicht tun wolltest?
  8. Musstest du dich bereits wegen der Folgen einer Chemsex -Session in ärztliche Behandlung begeben, z. B. wegen Verletzungen oder Infektionen?
  9. Hast du schon einmal Schuld- oder Schamgefühle wegen deines Drogengebrauchs empfunden?
  10. Hat sich jemand aus deinem Freundes- und Bekanntenkreis oder ein Arzt besorgt über deinen Drogenkonsum geäußert?

Wenn du die ersten beiden Fragen mit einem klaren „Ja“ und die anderen mit einem klaren „Nein“ beantworten konntest, gibt es vermutlich keinen Grund zur Sorge.

Wenn du dagegen die ersten beiden Fragen mit „Nein“ und eine oder mehrere der folgenden Fragen mit „Ja“ beantwortet hast, bist du vielleicht selbst schon ins Nachdenken über dein Konsumverhalten gekommen. In diesem Fall wäre es sinnvoll, dich beraten zu lassen. Denn je früher du einem problematischen Konsum gegensteuerst, umso leichter wird das gehen.

Natürlich können diese Fragen nur einen ersten Hinweis geben und das Gespräch mit Fachleuten nicht ersetzen. Unterstützung und Beratung zum Thema Chemsex findest du zum Beispiel bei deiner lokalen Aidshilfe oder bei deinem Schwerpunktarzt. Sie sind mit dem Thema vertraut und können dich gegebenenfalls beraten, was du tun kannst und wer dich dabei unterstützt.

Autor: Dr. Steffen Heger

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