HIV -Phobie : kleines Risiko und große Angst

Lässt dich die Angst vor einer HIV -Infektion nicht mehr los? Auffallend viele Menschen, die sich bei Telefon-Hotlines, Online-Beratungen oder in Arztpraxen melden, befürchten, sie könnten sich mit HIV angesteckt haben, obwohl die geschilderten sexuellen Kontakte tatsächlich mit einem sehr niedrigen oder nahezu keinem Infektionsrisiko verbunden waren. Immer wieder suchen sie Beratung und lassen einen Antikörpertest durchführen. Selbst nach einem negativen Testergebnis kehrt die Angst nach kurzer Zeit zurück. Experten sprechen in diesen Fällen von einer HIV -Phobie .

HIV-Phobie: kleines Risiko und große Angst
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Viele Menschen kennen Zeiten in ihrem Leben, in denen sie befürchten, unter einer schweren Erkrankung zu leiden. Solche Ängste gehen mit gesteigerter Beobachtung des eigenen Körpers einher. Jedes Zwicken, jede körperliche Veränderung und jedes Unwohlsein werden als Zeichen einer möglichen schlimmen Krankheit interpretiert: Ist der Fleck auf der Haut etwa Krebs? Ist das Ziehen im linken Arm Anzeichen eines drohenden Infarktes? Oftmals können die Betroffenen durch entsprechende ärztliche Beratung und eine Untersuchung beruhigt werden. Doch das gelingt nicht immer.

Die Sorge, vielleicht doch nicht gründlich genug untersucht worden zu sein, veranlasst dann zu immer weiterer Beschäftigung mit der befürchteten Krankheit. Wer im Internet über seine Symptome recherchiert, wird regelmäßig Besorgnis erregende Schilderungen finden. Das kann soweit gehen, dass man sich immer weiter in seine Krankheitsängste hineinsteigert, dass sich das Gedankenkarussell immer weiterdreht und man allmählich jede Unbefangenheit und Lebensfreude verliert.

Solche von Experten als Krankheitsphobie bezeichneten Symptome kommen auch im Zusammenhang mit HIV vor. Auffallend häufig handelt es sich hier um Menschen, die mit ihrer Sexualität nicht im Reinen sind. HIV -Phobien werden oft ausgelöst durch sexuelle Erfahrungen, die den Betroffenen stark verunsichert haben. Oftmals spielen innere Konflikte hinsichtlich der sexuellen Orientierung und Schuldgefühle im Zusammenhang mit sexuellen Wünschen oder Handlungen eine Rolle. So kann mit der Zeit jede sexuelle Handlung die Befürchtung auslösen, sich mit HIV infiziert zu haben. Obwohl gerade diese Personen beim Sex meist übervorsichtig sind.

Was tun, wenn die Angst vor HIV das Leben beherrscht?

Es hilft dann längerfristig nicht weiter, eine Beratung nach der anderen in Anspruch zu nehmen und einen HIV -Test nach dem anderen zu machen. Im Gegenteil. Häufige Untersuchungen und intensive Beschäftigung mit dem Problem verschlimmern den Angstkreislauf eher. Phobische Ängste lassen sich durch sachliche Information und Vernunftargumente allein nicht beseitigen. Die Ursachen dafür liegen tiefer.

Wenn die Angst vor einer HIV -Infektion deine Gedanken und dein Leben immer mehr beherrscht, hilft nur eines: der Gang zum Psychotherapeuten. Er ist Spezialist für solche Angsterkrankungen. Wie eine für dich geeignete Behandlung aussehen kann, lässt sich meistens im Rahmen einiger Gespräche klären.

Hilfe bei der Suche nach einem passenden Psychotherapeuten oder Psychiater in deiner Nähe findest du in den weiterführenden Links unten im Artikel.

Autor: Dr. Steffen Heger

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