HIV und Angststörungen : Wie kann ich mit meinen Ängsten umgehen?

Angststörungen gehören neben Depressionen zu den häufigsten seelischen Erkrankungen. Menschen mit HIV sind besonders häufig davon betroffen. Angsterkrankungen sind auf verschiedenen Wegen gut behandelbar. Was ist zu tun, damit du die Angst kontrollierst und nicht die Angst dich?

HIV und Angststörungen: Wie kann ich mit meinen Ängsten umgehen?
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Angsterkrankungen wie Panikstörung, soziale Phobie und Agoraphobie beinträchtigen regelmäßig die Lebensqualität und führen zu teilweise erheblichen Einschränkungen. In den meisten Fällen verschwinden die Symptome nicht von allein. Gerade für Angststörungen gibt es aber verschiedene und sehr gut wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Je früher die Behandlung einsetzt, umso größer sind in der Regel die Erfolge. Es ist daher wichtig, beim Auftreten von Ängsten möglichst frühzeitig fachliche Hilfe zu suchen. Erster Ansprechpartner kann dein Hausarzt oder Schwerpunktarzt sein. Spezialisten für Angsterkrankungen sind Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie , Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychologische Psychotherapeuten.

Behandlungsmethoden bei Angststörungen

Wie bei allen Erkrankungen, sollte vor Einleitung einer spezifischen Behandlung eine gründliche Diagnostik erfolgen. Dazu gehört zunächst eine körperliche Untersuchung. Sie dient zum einen dem Ausschluss möglicher körperlicher Ursachen deiner Beschwerden. Zum anderen kann sie für die Auswahl der geeigneten Medikamente wichtig sein, sofern eine medikamentöse Behandlung geplant ist.

Dann wird der Spezialist sich deine Symptome genau schildern lassen. Er wird üblicherweise auch nach deiner Lebenssituation und vielleicht auch nach deiner Lebensgeschichte fragen, um sich ein umfassendes Bild von dir machen zu können. Wenn er schließlich zu einer Diagnose gekommen ist, folgen die Aufklärung über die Art deiner Erkrankung und ein Behandlungsvorschlag, der mit deinen Wünschen und Bedürfnissen abgestimmt werden sollte.

Folgende Behandlungsformen sind bei Angststörungen wirksam

Psychopharmaka :

Hauptsächlich kommen moderne Antidepressiva zum Einsatz, z. B. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI ). Diese müssen unter Umständen höher dosiert werden als in der Depressionsbehandlung. Sie wirken leider nicht sofort, sondern benötigen eine „Anlaufzeit“, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Da Angstpatienten häufig empfindlicher für Nebenwirkungen sind, sollte die Dosis langsam gesteigert werden. Manchmal können sich die Nebenwirkungen bei Behandlungsbeginn ähnlich anfühlen, wie die körperlichen Angstsymptome, was dann irrtümlich für eine Verschlechterung der Angst gehalten wird. In der Regel verschwinden diese Nebenwirkungen aber im Lauf der ersten Wochen. Wenn du wegen deiner HIV -Infektion eine ART einnimmst, müssen bei der Auswahl des geeigneten Antidepressivums mögliche Wechselwirkungen zwischen den Arzneimitteln (z. B. Wirkungsverstärkung oder -abschwächung) berücksichtigt werden. Daher muss der Spezialist wissen, welche Medikamente du gegen deine HIV -Infektion einnimmst. Auskünfte über mögliche Wechselwirkungen kann auch dein Apotheker geben.

Psychotherapie :

Bei der Behandlung von Angststörungen ist nahezu immer eine Psychotherapie sinnvoll und ratsam. Welches Therapieverfahren bevorzugt eingesetzt wird, hängt von vielen Faktoren ab. Die Art der Angsterkrankung spielt hier ebenso eine Rolle wie das Ausmaß der Chronifizierung oder mögliche Begleiterkrankungen. Auch deine persönlichen Präferenzen sind bei der Wahl des Therapieverfahrens wichtig.

Psychopharmaka und Psychotherapie schließen sich übrigens nicht gegenseitig aus, sondern können sich durchaus sinnvoll ergänzen. Manche Patienten lehnen allerdings die Einnahme von Psychopharmaka ab. Die letzte Entscheidung darüber hast immer du als Patient. Das setzt allerdings voraus, dass du umfassend informiert und beraten worden bist. Du kannst mit dem Psychiater und dem Psychotherapeuten alle Fragen besprechen, die dich in dem Zusammenhang beschäftigen.

Autor: Dr. Steffen Heger

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