HIV und Depressionen: Einfach nur traurig oder schon depressiv?

Depressionen treten bei HIV -Patienten häufig auf. Wie erkenne ich, ob ich depressiv bin und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollte?

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Ist es einfach nur das trübe Wetter, das mich so runterzieht? Habe ich vielleicht in letzter Zeit nur zu wenig geschlafen und mir fehlt deswegen die Energie? Habe ich mal wieder den Blues oder den Moralischen und möchte mich daher am liebsten verkriechen? Oder steckt doch mehr dahinter? Der Übergang zwischen Bedrücktheit und Depression ist fließend.

Fast jeder Mensch kennt kürzere Phasen von Traurigkeit, Lust- und Antriebslosigkeit. Das ist normal. Der Unterschied zu einer Depression liegt in erster Linie in der Dauer und Schwere der Symptome.

Typische Kennzeichen einer Depression sind vor allem die diversen „Losigkeiten“ wie Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit (manchmal auch auf sexueller Ebene, wobei auch das Gegenteil auftreten kann), Interesselosigkeit, Freudlosigkeit und Energielosigkeit. Neben diesen Zeichen des Energiemangels können aber auch Zeichen gesteigerter innerer Anspannung hinzukommen: Schlaflosigkeit, Ruhelosigkeit und Appetitlosigkeit zum Beispiel. Oft sind die Gedanken eingeengt und kreisen auf pessimistische oder besorgte Weise immer wieder um dieselben Probleme. Sozialer Rückzug ist ebenfalls häufig – man hat einfach keine Lust oder keine Kraft, andere Menschen zu sehen. Vielleicht weil alles als viel zu anstrengend empfunden wird. In schweren Fällen kommen Gefühle der eigenen Wertlosigkeit, der allgemeinen Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit hinzu.

Bei Depression möglichst rasch professionelle Hilfe suchen

Damit man von einer Depression sprechen kann, müssen solche Symptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen täglich (oder zumindest fast täglich) anhaltend vorhanden sein. Bei den meisten Betroffenen ist die Vorgeschichte natürlich erheblich länger.

Unbehandelt neigen depressive Störungen zur Chronifizierung . Oft ziehen sie schwerwiegende Folgen nach sich wie zum Beispiel länger anhaltende Arbeitsunfähigkeit. Nicht selten kommt es auch zu Substanzmissbrauch, z. B. gesteigertem Alkohol- oder Drogenkonsum, manchmal im Sinne eines „Selbstbehandlungsversuchs“. Solche Verhaltensweisen machen auf längere Sicht allerdings alles nur noch schlimmer. Daher ist es empfehlenswert, möglichst frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Unbehandelt können depressive Gefühle im schlimmsten Fall in Suizidgedanken und Selbsttötungsabsichten münden. Suizidgedanken sind immer ein Alarmzeichen und sollten dich unbedingt veranlassen, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen – wenn nötig auch nachts oder am Wochenende.

Depressive Störungen sind meistens sehr gut behandelbar – je früher, umso besser.

Autor: Dr. Steffen Heger

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