HIV und Schlafstörungen: Was hilft?

Du bist HIV -positiv und leidest unter Schlafstörungen? Zunächst wirst du sicherlich versuchen, dir selbst zu helfen. Das ist – innerhalb gewisser Grenzen – auch ganz gut möglich. Bei den Selbsthilfemaßnahmen ist zu unterscheiden zwischen dem, was zu tun und dem, was möglichst zu unterlassen ist.

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Zu unterlassen sind vor allem jegliche Versuche der „Selbstbehandlung“ mit Alkohol. Zwar können viele Menschen nach Alkoholkonsum zunächst besser einschlafen. Der weitere Schlaf in der Nacht wird aber durch Alkohol regelmäßig gestört. Hinzu kommt die Gefahr einer Suchtentwicklung, wenn Alkohol häufig oder gar regelmäßig als Einschlafhilfe verwendet wird. Das gilt natürlich auch für Drogen mit schlaffördernder Wirkung wie z. B. Cannabis .

Bei den frei verkäuflichen Schlafmitteln muss man unterscheiden zwischen pflanzlichen Präparaten und den sogenannten Antihistaminika . Pflanzliche Mittel, die meistens aus Baldrian und Hopfen oder Passionsblume zusammengesetzt sind, gelten als ungefährlich, da sie keine Nebenwirkungen haben und nicht abhängig machen. Dagegen können bestimmte als Schlafmittel eingesetzte Antihistaminika , die nach wie vor frei verkäuflich sind, gravierende Nebenwirkungen haben und abhängig machen.

Wenn du eine ART einnimmst, solltest du vor dem Gebrauch auch frei verkäuflicher Mittel mit deinem behandelnden Arzt oder deinem Apotheker über mögliche Wechselwirkungen sprechen. Diese sind sogar bei pflanzlichen Arzneimitteln (wie z. B. Johanniskraut) möglich und können die Wirksamkeit deiner HIV -Medikamente beeinträchtigen.

Tipps für einen besseren Schlaf

Nahezu immer hilfreich und frei von Nebenwirkungen sind einige verhaltenstherapeutische Ansätze, die sich in der Behandlung von Schlafstörungen bewährt haben. Die wichtigsten Empfehlungen lauten:

 

  • Nach dem Mittagessen solltest du keine koffeinhaltigen Getränke (Kaffee, Schwarzer Tee, Cola) mehr zu dir nehmen.
  • Vermeide Alkohol weitgehend und verwende ihn keinesfalls als Schlafmittel.
  • Schlafe nicht tagsüber, weil du sonst abends nicht müde genug bist.
  • Nimm keine schweren Mahlzeiten am Abend zu dir.
  • Sorge für regelmäßige körperliche Aktivität, möglichst vormittags oder nachmittags, nicht am späten Abend.
  • Gestalte die Abendstunden entspannend; verringere vor dem Zubettgehen allmählich deine körperliche und geistige Aktivität.
  • Vermeide Fernsehen und Bildschirmarbeit sowie längeres Surfen im Internet vor dem Schlafengehen.
  • Sorge für eine angenehme Atmosphäre im Schlafzimmer. Es sollte dunkel, ruhig und nicht zu warm sein.
  • Benutze das Bett nur zum Schlafen, d.h. nicht zum Lesen, Essen, Trinken, Rauchen, Fernsehen oder Surfen im Internet. Sexualität ist davon ausgenommen.
  • Gehe möglichst jeden Abend zur selben Zeit ins Bett und stehe jeden Morgen zur selben Zeit auf. Langes Ausschlafen erschwert das Einschlafen am Abend.
  • Finde dein persönliches Einschlafritual. Sehr gut sind Entspannungsübungen oder Meditation vor dem Schlafengehen. Es kann aber auch eine heiße Milch mit Honig sein.
  • Wenn du 30 Minuten nach dem Zubettgehen noch wach bist, gehe in ein anderes Zimmer und suche dir eine monotone Beschäftigung. Gehe erst wieder ins Bett, wenn du dich müde fühlst.
  • Sieh nachts nicht auf die Uhr (du solltest keine Uhr im Blickfeld haben).

Wenn du Schlafstörungen hast, kannst du zunächst versuchen, dir mit diesen recht einfachen Empfehlungen zu helfen. Sollten sich die Beschwerden dennoch nicht innerhalb kurzer Zeit deutlich bessern, solltest du in jedem Fall deinen Arzt darauf ansprechen.

Autor: Dr. Steffen Heger

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