HIV und Sexualität

Für HIV -Positive wie für -Negative ist Sexualität ein wichtiger Teil ihres Lebens. Sie ist so individuell wie jeder Einzelne von uns. Sie ist aber auch sehr anfällig für Störungen verschiedenster Art. Manche dieser sexuellen Schwierigkeiten können mit der HIV -Infektion zusammenhängen. Die meisten sexuellen Funktionsstörungen haben seelische Ursachen. Dazu gehören vor allem Ängste, Schuldgefühle, Leistungsdruck und falsche Vorstellungen von „Normalität“.

Sexuelle Funktionsstörungen bei HIV-Positiven
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Das Wechselspiel zwischen HIV und Sexualität ist komplex. Zunächst solltest du deine Normvorstellungen von Sexualität hinterfragen. Gerade der Gedanke, man müsste immer Lust haben und sexuell immer problemlos funktionieren, ist ein häufiger Irrtum. Sexualität ist eine komplexe Angelegenheit, die nicht nur durch körperliche, sondern vor allem auch durch seelische Faktoren beeinflusst wird und entsprechend „störanfällig“ sein kann. Sexualität spielt sich eben auch im Kopf ab!

Da die HIV -Infektion hierzulande in den meisten Fällen durch sexuelle Kontakte übertragen wird, können nach der Diagnose sowohl Schuldgefühle als auch die Angst vor einer Infektion des Sexualpartners den sexuellen Genuss trüben. Das führt nicht selten zu sexuellen Funktionsstörungen wie zum Beispiel Erektionsproblemen. Möglicherweise liegt darin einer der Gründe, warum manche mithilfe von Alkohol oder Drogen störende Gedanken und Gefühle beim Geschlechtsverkehr „abzuschalten“ versuchen. Allerdings kann der Drogenkonsum andere Probleme nach sich ziehen. Für manchen mag es hilfreicher sein, wenn der Partner ebenfalls positiv ist, weil man sich dann zumindest keine Sorgen um eine mögliche Ansteckung machen muss. Auch eine wirksame Behandlung der Infektion kann diese Ängste mindern. Wenn – häufig unbewusste – Schuldgefühle den sexuellen Genuss beeinträchtigen, kann möglicherweise eine Psychotherapie sinnvoll sein.

Sexuelle Funktionsstörungen durch Selbstzweifel und seelische Krisen

Nicht nur vielen schwulen Männern dient Sexualität zur Aufrechterhaltung ihres Selbstwertgefühls. Bis zu einem gewissen Grad ist dagegen auch nichts einzuwenden. Wenn Sexualität allerdings den zentralen Lebensinhalt darstellt, können sexuelle Funktionsstörungen große seelischen Probleme nach sich ziehen. Beispielsweise kann die Befürchtung, durch die Infektion an Attraktivität für potenzielle Sexualpartner zu verlieren, zu Selbstzweifeln führen. Manchmal kommt so ein Teufelskreis aus Leistungsdruck und Versagen der sexuellen Funktionen in Gang. Hier kann vielleicht eine Psychotherapie helfen, auch andere Quellen eines stabilen Selbstwertgefühls zu erschließen, so dass Sexualität schließlich eine Möglichkeit der Selbstbestätigung neben anderen wird.

Es ist nicht ungewöhnlich, wenn man in bestimmten Lebensphasen weniger Lust auf Sex hat. Gerade in Lebenskrisen oder in depressiven Phasen, wie sie häufig durch ein positives Testergebnis ausgelöst werden, kann das Interesse an Sexualität vorübergehend nachlassen, oder es können sexuelle Funktionsstörungen auftreten. Man sollte dann nicht versuchen, etwas zu erzwingen. Das funktioniert in der Regel sowieso nicht. Sinnvoller ist es eher, diese Veränderungen zunächst zu akzeptieren und sich klarzumachen, dass die Libido und die Sexualfunktion zurückkehren werden, wenn es einem wieder bessergeht. Sollte eine Depression die Ursache der Probleme sein, wäre diese vordringlich zu behandeln.

Schließlich sollte man wissen, dass es sich bei manchen sexuellen Funktionsstörungen auch um Nebenwirkungen von Medikamenten handeln kann. Informationen darüber finden sich im Beipackzettel. Wenn du vermutest, dass dies bei dir der Fall sein könnte, sprich unbedingt deinen behandelnden Arzt darauf an!

Autor: Dr. Steffen Heger

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