HIV und Psychotherapie : Die Antragstellung

Psychotherapie ist einerseits eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen, andererseits aber auch eine „antrags- und genehmigungspflichtige“ Leistung. Bevor es losgehen kann, muss also ein Antrag bei deiner Krankenkasse gestellt werden. Doch wie läuft dieses Antragsverfahren für gesetzlich versicherte Patienten ab?

HIV und Psychotherapie: Die Antragstellung
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Alles, was an Therapiestunden über die probatorischen Sitzungen hinausgeht, muss vor Therapiebeginn bei der Krankenkasse beantragt werden. Die gute Nachricht: Die dazu notwendigen Antragsformalitäten übernimmt der Therapeut. Du musst lediglich ein paar Angaben auf einem Formular machen, das du von deinem Therapeuten bekommst. Hier wird zum Beispiel nach früheren Psychotherapien gefragt.

Wenn der Therapeut Psychologe (und kein Arzt) ist, musst du vor Antragstellung erst noch zu einem Arzt (z.B. deinem Hausarzt) gehen und von ihm ein weiteres Formular ausfüllen lassen, den sogenannten „Konsiliarbericht“. Damit soll gewährleistet werden, dass keine behandlungsbedürftige körperliche Erkrankung übersehen wird.

Kurz- oder Langzeittherapie ?

Wenn eine Kurzzeittherapie (bis maximal 25 Sitzungen) beantragt wird, ist die Antragstellung einfach. Der Therapeut schickt zusammen mit deinem Antragsformular eine ganz kurze Begründung für die geplante Therapie an die Krankenkasse. Die Genehmigung erfolgt dann je nach Krankenkasse meistens innerhalb von ein bis zwei Wochen. Die Kasse informiert sowohl dich als auch den Therapeuten per Post über die Anzahl der genehmigten Sitzungen („Anerkennungsbescheid“).

Wenn eine Langzeittherapie vorgesehen ist (mehr als 25 Sitzungen), ändert sich für dich zunächst nichts. Für den Therapeuten wird die Antragstellung allerdings deutlich aufwändiger. Bei Langzeittherapien ist nämlich ein „Gutachterverfahren“ vorgeschrieben. Das heißt, der Therapeut muss in einem ausführlichen Bericht unter anderem die Notwendigkeit der geplanten Therapie und das vorgesehene Therapieverfahren sowie die zu erwartende Therapiedauer begründen. Dieser Bericht wird anonymisiert mit einer Chiffre versehen in einem verschlossenen Umschlag an die Krankenkasse geschickt. Die Krankenkasse leitet den Umschlag ungeöffnet an einen externen Fachgutachter weiter. Fachgutachter sind langjährig erfahrene Psychotherapeuten und unterliegen der Schweigepflicht. Sie sind keine Mitarbeiter der Krankenkasse, sondern führen solche Begutachtungen auf selbstständiger Basis durch. Sie sind daher neutral. Der Gutachter beurteilt anhand des anonymisierten Berichtes, ob er die geplante Behandlung für notwendig und zielführend hält. Dann gibt er der Krankenkasse eine entsprechende Empfehlung, die Kosten zu übernehmen – oder auch nicht. Ablehnungen sind aber eher selten, und man kann ggf. dagegen Widerspruch einlegen.

Wichtig für dich ist: Bei diesem Gutachtersystem sind Vertraulichkeit und Anonymität gewährleistet. Denn der Sachbearbeiter der Krankenkasse bekommt den Bericht nicht zu lesen. Nur der Gutachter darf den Umschlag öffnen. Und da auf dem Umschlag und auf dem Bericht nur eine Chiffre-Nummer steht, weiß der Gutachter nicht, wer du bist. Das Gutachterverfahren nimmt etwas Zeit in Anspruch. Daher dauert es zwischen Absendung des Antrags an die Krankenkasse bis zur Rückmeldung durchschnittlich etwa vier Wochen. Auch hier wirst du nach Abschluss des Gutachterverfahrens schriftlich über die Anzahl der genehmigten Sitzungen informiert („Anerkennungsbescheid“).

Autor: Dr. Steffen Heger

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