Behandlung von HIV -Patienten mit Psychopharmaka

Da seelische Störungen wie Depressionen, Angsterkrankungen oder Schlafstörungen bei Menschen mit HIV häufiger auftreten als in der Allgemeinbevölkerung, wird man ihnen auch öfter eine medikamentöse Behandlung mit Psychopharmaka empfehlen. Dieses Thema wird häufig sehr emotional diskutiert. Damit du dir eine eigene Meinung bilden kannst, hier die wichtigsten Fakten.

Behandlung von HIV-Patienten mit Psychopharmaka
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Psychopharmaka sind Arzneimittel, die über ihre Wirkung auf Nervenzellen im Gehirn psychische Vorgänge beeinflussen. Man unterscheidet verschiedene Arten von Psychopharmaka . Zu den wichtigsten gehören: Antidepressiva , Antipsychotika sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel.

 

 

Die wichtigsten Psychopharmaka im Überblick

Antidepressiva  

Antidepressiva sind Arzneimittel, die hauptsächlich zur Behandlung von Depressionen und Angsterkrankungen eingesetzt werden. Auch Zwangsstörungen können mit Antidepressiva behandelt werden. Manche Antidepressiva haben einen schlaffördernden Effekt. Sie finden daher – meistens in niedriger Dosierung – auch Verwendung als Schlafmittel. Allen ist gemeinsam, dass sie nicht sofort wirken, sondern eine Anlaufzeit von einigen Wochen benötigen, um die Symptome zu bessern. Die günstige Wirkung auf den Schlaf tritt oft schon sehr schnell ein. Auch eventuelle Nebenwirkungen zeigen sich häufig schon bald nach Behandlungsbeginn, was das „Durchhalten“ erschweren kann. Allerdings verschwinden die meisten Nebenwirkungen unter fortgesetzter Behandlung allmählich. Du benötigst also ein wenig Geduld. Viele Nebenwirkungen lassen sich durch geeignete Verhaltensweisen verringern. Sprich in jedem Fall mit deinem behandelnden Arzt darüber, wenn unter der Behandlung unerwünschte Effekte auftreten. Allen Antidepressiva ist eines gemeinsam: Sie verursachen keine Abhängigkeit . Antidepressiva können und müssen meistens über einen längeren Zeitraum verabreicht werden, in der Regel mindestens mehrere Monate.

Antipsychotika

Antipsychotika sind Mittel zur Behandlung wahnhafter Störungen. Sie werden nicht nur bei Psychosen eingesetzt, sondern können auch gegen die Nebenwirkungen bestimmter Drogen (z.B. Halluzinationen) helfen. Einige Antipsychotika haben außerdem einen beruhigenden und schlaffördernden Effekt und eignen sich daher auch als Schlafhilfe, vor allem weil sie nicht abhängig machen.

Schlaf- und Beruhigungsmittel 

Schlaf- und Beruhigungsmittel werden vor allem bei Schlafstörungen sowie akuten Angst- und Erregungszuständen eingesetzt. Sie sind in der Regel gut verträglich und können unter Umständen mit anderen Psychopharmaka kombiniert werden. Da die meisten dieser Arzneimittel bei längerfristiger und regelmäßiger Behandlung (einige Wochen oder länger) zu einer Abhängigkeit führen können, wird man versuchen, die Behandlungsdauer möglichst kurz zu halten. Es gibt einige frei verkäufliche Schlaf- und Beruhigungsmittel. Nicht alle sind harmlos. Lass dich von deinem Arzt oder Apotheker beraten, bevor du solche Mittel einnimmst.

Was ist bei der Behandlung mit Psychopharmaka zu beachten? 

Bei der Auswahl des geeigneten Psychopharmakons muss dein Arzt wissen, welche anderen Medikamente du einnimmst. Das ist deswegen wichtig, weil manche Mittel Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten [Antiretrovirale Medikamente (ART)] haben können. Das heißt: Bei gleichzeitiger Einnahme kann die Wirkung des jeweils anderen Arzneimittels verändert werden (Wirkungsverstärkung oder -abschwächung). Solche Wechselwirkungen können durch die Auswahl des geeigneten Wirkstoffs verhindert werden.

Während der Behandlung mit Psychopharmaka sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden. Dazu gehören bestimmte Blutuntersuchungen, die bei HIV -Positiven ohnehin zum Standardprogramm gehören. Bei manchen dieser Arzneimittel sind z.B. auch EKG-Kontrollen zu Behandlungsbeginn und in gewissen Abständen während der Behandlung ratsam.

Da Psychopharmaka auf das Gehirn wirken, können sie die Reaktionsgeschwindigkeit und damit unter anderem die Straßenverkehrstauglichkeit beeinflussen. Das gilt insbesondere zu Behandlungsbeginn, nach Dosiserhöhungen sowie bei ausgeprägten Nebenwirkungen. Sprich mit deinem behandelnden Arzt darüber, wann du lieber auf die aktive Teilnahme am Straßenverkehr verzichten solltest.

Fast alle Psychopharmaka sind verschreibungspflichtig und somit nicht frei verkäuflich. Selbst wenn ein solches Arzneimittel frei verkäuflich ist, solltest du vor der Einnahme mit deinem Arzt darüber sprechen. Denn auch pflanzliche Mittel können Wechselwirkungen mit deinen HIV -Medikamenten haben.

Für alle Psychopharmaka gilt, dass man sie nach längerer Einnahme nicht plötzlich absetzen, sondern allmählich die Dosis verringern sollte, bevor man sie schließlich ganz absetzt („Ausschleichen“ der Behandlung). Durch dieses Vorgehen wird das Rückfallrisiko verringert.

Autor: Dr. Steffen Heger

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