HIV -Infektion: Einsamkeit überwinden

Nach dem positiven HIV -Testergebnis erleben viele Betroffene gerade in der ersten Zeit ein Gefühl der inneren Einsamkeit, weil sie ihre Sorgen nicht mit anderen Menschen teilen können. Welche Möglichkeiten gibt es, die soziale Isolation zu überwinden?

Nach positivem HIV-Test Wege aus der Einsamkeit finden
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Das Gefühl des inneren Alleinseins, des Getrenntseins von anderen Menschen erleben Schwule und Lesben häufig in der Zeit vor dem Coming-Out. Das ist auch einer der Gründe, warum das Coming-Out so oft als Befreiung erlebt wird: Endlich fühlst du dich nicht mehr allein. Trotzdem bleibt auch danach oft eine besondere Sensibilität für solche Zustände bestehen.

Durch die Diagnose „HIV positiv“ kann das längst überwunden geglaubte Gefühl der Einsamkeit erneut aufkommen und dich in eine seelische Krise stürzen. Aber genau wie damals kann auch jetzt dieser Zustand überwunden werden, indem du dich anderen Menschen anvertraust und Kontakt zu anderen Betroffenen aufnimmst.

Auf Dauer kann Einsamkeit zu Depressionen und Angststörungen führen. Das Überwinden sozialer Isolation fördert dagegen die seelische Gesundheit. Am Anfang stehen bei HIV -Positiven häufig Schamgefühle im Weg oder die Befürchtung, die Infektion könnte sich herumsprechen. Mitunter liegt es auch daran, dass du deine Infektion selbst noch nicht so recht wahrhaben willst. Wer schon immer dazu neigte, seine Probleme mit sich allein auszumachen, wird seine Hilfsbedürftigkeit vielleicht als kränkend erleben und es daher schwieriger finden, eines der zahlreichen Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Manchmal geht das eben nicht von heute auf morgen, sondern bedeutet einen längeren Weg.

Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

Je schwerer es dir fällt, dich anderen zu öffnen und soziale Unterstützung zu suchen, umso eher können niedrigschwellige Angebote ein guter erster Schritt sein. „Niedrigschwellig“ bedeutet, dass die Kontaktaufnahme nicht an Voraussetzungen gebunden ist und so weniger Hürden zu überwinden sind. Das gilt zum Beispiel für Online- oder Telefonberatungen oder Internetforen, bei denen du anonym bleiben kannst. Es kann ein guter Anfang sein, dich in diesem Rahmen gewissermaßen probeweise einem anderen Menschen anzuvertrauen. Auf Dauer sind virtuelle oder telefonische Kontakte aber kein Ersatz für die Beziehungsaufnahme im „wirklichen“ Leben. Hinzu kommt, dass manche Internetforen auch Personen anziehen, deren Beiträge wenig hilfreich oder sogar ängstigend sind.

Angebote für Positive wie Selbsthilfegruppen, Stammtische, Workshops und Informationsveranstaltungen für Patienten werden wohl am meisten zur Überwindung deiner Einsamkeit beitragen. Gerade Selbsthilfegruppen sind bei HIV genauso wie bei vielen anderen chronischen Erkrankungen äußerst hilfreich. Das liegt unter anderem daran, dass die Solidarisierung mit anderen Betroffenen ein wirksames Mittel gegen Selbsthass und Diskriminierung ist. Es gibt heute zumindest in größeren Städten zahlreiche solcher Angebote. Bei der Auswahl kann dich zum Beispiel deine lokale Aidshilfe oder deine Schwerpunktpraxis beraten. Viele werden auch im Internet beschrieben. 

Selbsthilfegruppen können außerdem für Partner und Angehörige hilfreich sein. Wenn dir nahestehende Menschen auf diese Weise Unterstützung finden, wird sich das auch indirekt günstig auf dich auswirken.

Autor: Dr. Steffen Heger

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