HIV , Sport und Psyche

Welche Rolle spielt Sport im Zusammenhang mit der HIV -Infektion, wie wirkt sich Sport auf das seelische Befinden aus, und was sollte man als HIV -Positiver darüber wissen?

Eine HIV-Infektion schränkt deine sportlichen Möglichkeiten in keiner Weise ein
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Darf ich als HIV -Positiver Sport treiben?

Die Antwort ist ein ganz klares Ja! Die HIV -Infektion schränkt deine sportlichen Möglichkeiten in keiner Weise ein. Du darfst jede Sportart treiben, die dir gefällt. Dein Schwerpunktarzt kann dir in der Regel sagen, welche Sportarten für dich besonders geeignet sind.

Ein Sportverbot ist nur in seltenen Ausnahmefällen begründet. Während der akuten Phase der HIV -Infektion solltest du dich – wie bei jeder akuten Infektionskrankheit – körperlich eher schonen. Außerdem gibt es einige seltene Begleiterkrankungen wie z. B. bestimmte Herzkrankheiten, bei denen ein – unter Umständen nur vorübergehendes – Sportverbot notwendig sein kann. Das Sportverbot ergibt sich dann aber aus der Begleiterkrankung und nicht aus der HIV -Infektion. In aller Regel ist bei den meisten körperlichen Vor- oder Begleiterkrankungen ein Sportprogramm möglich und sinnvoll.

„Mens sana in corpore sano“ – “ein gesunder Geist in einem gesunden Körper”? Oder Sport ist Mord? Nachfolgend einige Antworten auf die häufigsten Fragen:

Ich bin HIV -positiv - welchen Nutzen bringt mir sportliche Aktivität? 

Regelmäßig Sport zu treiben hat eine ganze Reihe von Vorteilen sowohl auf körperlicher als auch auf seelischer Ebene. Maßvolle sportliche Betätigung steigert das allgemeine Wohlbefinden ebenso wie die körperliche Leistungsfähigkeit. Sie macht dich widerstandsfähiger gegen viele Erkrankungen und hat so eine vorbeugende und gesundheitsfördernde Wirkung. Das gilt für HIV -Positive genauso wie für Negative.

Speziell im Zusammenhang mit der HIV -Infektion kommen noch einige zusätzliche Effekte ins Spiel:

  • Sportliche Aktivität verbessert dein Körpergefühl und die Beziehung zu deinem Körper. Sie hilft dir, ein Gefühl für deine Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit zu bekommen sowie Vertrauen in die Verlässlichkeit deines Körpers zurückzugewinnen.
  • Maßvolles Training stärkt dein Immunsystem und macht dich widerstandsfähiger gegen eine Vielzahl von Erkrankungen.
  • Regelmäßige sportliche Aktivität beugt Erkrankungen vor, die bei HIV -positiven Personen häufiger oder früher auftreten können als bei Nicht-Infizierten. Dazu gehören z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Störungen des Fettstoffwechsels und des Bewegungsapparates (Osteoporose).
  • Körperliches Training reduziert deine Stressanfälligkeit. Es fördert auch die Schlafqualität. Allerdings solltest du nicht zu spät abends trainieren, sondern Körper und Geist vor dem Schlafengehen genügend Zeit zum „Herunterkommen“ geben.
  • Sport hilft gegen Ängste, Depressionen, abhängiges Verhalten und eine Reihe weiterer seelischer Störungen. Die Wirksamkeit regelmäßigen körperlichen Trainings bei diesen Erkrankungen ist wissenschaftlich erwiesen. Dies wird leider sowohl von Ärzten und Psychotherapeuten als auch von Betroffenen häufig unterschätzt. Manchmal kann es auch schwierig sein, die Betroffenen zum Sport zu motivieren. Gerade bei Depressionen steht oft die krankheitsbedingte Antriebs- und Energielosigkeit im Weg. Hier solltest du mit deinem behandelnden Psychiater oder Psychotherapeuten besprechen, wie dir die gestufte Aktivierung erleichtert werden könnte.
  • Sport im Verein oder in einer Gruppe bringt dich in Kontakt mit anderen Menschen, die deine Begeisterung mit dir teilen und dich motivieren. In vielen Großstädten gibt es übrigens LGBTI *-Sportvereine, z. B. den SC Janus in Köln, den STARTSCHUSS SLSV in Hamburg, den FVV in Frankfurt, den Vorspiel SSL in Berlin, den SV Regenbogen in Gießen ebenso wie team münchen in München. Die meisten bieten eine Vielzahl von Sportarten an, und häufig kannst du für einen überschaubaren monatlichen Mitgliedsbeitrag alle Sportarten nutzen, die du möchtest. Links zu den Vereinen findest du am Ende dieses Artikels.

Was sollte ich vor Beginn einer sportlichen Betätigung beachten?

Falls du erstmals mit einem Sportprogramm beginnen willst oder schon länger nicht mehr sportlich aktiv warst, solltest du vor der Aufnahme sportlicher Betätigung mit einem Arzt über deine Pläne sprechen. Er wird dir sagen, ob zusätzliche Untersuchungen oder ein spezieller sportmedizinischer Check-up sinnvoll sind.

Wichtig ist gerade am Anfang, dass du dich keinesfalls überforderst. Lieber langsam starten und dich allmählich steigern. Dann siehst du mit der Zeit immer mehr Erfolge und behältst die Freude an deinem Sportprogramm.

Gerade zu Beginn ist außerdem die Beratung und Anleitung durch einen kompetenten Trainer sinnvoll. Die Frage nach einer entsprechenden Betreuung solltest du bei der Auswahl eines Sportvereins oder Fitnessstudios im Hinterkopf haben.

Nach welcher Zeit ist mit Auswirkungen auf das seelische Befinden zu rechnen?

Häufig setzen günstige Effekte relativ bald ein. Das liegt auch daran, dass viele zu Recht stolz auf sich sind, wenn es ihnen gelingt, den „inneren Schweinehund“ zu überwinden. In Studien zeigte sich, dass mit einer deutlichen Besserung von Depressionen nach etwa drei bis vier Monaten regelmäßigen Trainings zu rechnen ist. In vielen Fällen ist Ausdauersport übrigens ebenso wirksam wie eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva . Allerdings setzt die Wirkung von Medikamenten in der Regel etwas schneller ein.

Welche Sportart sollte ich wählen?

Die Antwort ist ein ganz klares Ja! Die HIV -Infektion schränkt deine sportlichen Möglichkeiten in keiner Weise ein. Du darfst jede Sportart treiben, die dir gefällt. Dein Schwerpunktarzt kann dir in der Regel sagen, welche Sportarten für dich besonders geeignet sind.

Ein Sportverbot ist nur in seltenen Ausnahmefällen begründet. Während der akuten Phase der HIV -Infektion solltest du dich – wie bei jeder akuten Infektionskrankheit – körperlich eher schonen. Außerdem gibt es einige seltene Begleiterkrankungen wie z. B. bestimmte Herzkrankheiten, bei denen ein – unter Umständen nur vorübergehendes – Sportverbot notwendig sein kann. Das Sportverbot ergibt sich dann aber aus der Begleiterkrankung und nicht aus der HIV -Infektion. In aller Regel ist bei den meisten körperlichen Vor- oder Begleiterkrankungen ein Sportprogramm möglich und sinnvoll.

Nachfolgend einige Antworten auf die häufigsten Fragen:

Wie ist es mit der Ansteckungsgefahr bei Sportverletzungen?

Manche HIV -Positive schrecken besonders vor Mannschaftssportarten zurück, weil sie Sorge haben, ihre Teamkameraden im Fall einer offenen Verletzung zu gefährden. Diese Bedenken sind allerdings unbegründet, wenn der Ersthelfer im Fall einer Verletzung die allgemein gültigen Hygienevorschriften beachtet. Das heißt: Bei der Versorgung offener Wunden sollten sowieso immer Einmalhandschuhe getragen werden, die in jeden Verbandkasten gehören. Wenn unter medikamentöser Behandlung deine Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze liegt, ist das Risiko einer Ansteckung anderer mit HIV auch bei offenen Wunden ohnehin sehr gering.

Und was ist mit Anabolika? 

Der Gebrauch von Hormonen zur Unterstützung des Muskelaufbaus (Anabolika) ist vor allem in Fitnessstudios und im Kraftsport verbreitet. Die Hoffnung, durch Anabolika den Wunschkörper zu formen, entsteht zum einen aus einem fehlgeleiteten Schönheitsideal, zum andern aus Selbstwertproblemen. Gruppendruck aus dem sozialen Umfeld kann eine begünstigende Rolle spielen.

Anabolika machen die positiven Effekte deines Trainings auf die körperliche und seelische Gesundheit zunichte. Sie führen zu schweren, teilweise irreversiblen Organschäden, insbesondere an der Leber und am Herzen. Immer wieder kommt es dadurch auch bei vorher Gesunden zu plötzlichen Todesfällen.

Die psychischen Effekte von Anabolika können ebenfalls katastrophal sein. Nicht selten verursachen sie schwere Depressionen bis hin zur Suizidalität sowie Panikattacken und Persönlichkeitsveränderungen, z. B. gesteigerte Reizbarkeit und Aggressivität. Gerade Depressionen können auch nach dem Absetzen der Substanzen auftreten und sind oft ausgesprochen schwer zu behandeln.

Hinzu kommt, dass diese Substanzen meist vom Schwarzmarkt stammen. Pharmazeutische Untersuchungen haben gezeigt, dass in den meisten dieser illegalen Produkte nicht das enthalten ist, was auf der Packung steht. Der Gebrauch von Anabolika ist also mit unberechenbaren gesundheitlichen Risiken verbunden.

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