Seelische Krise und HIV : Wo finde ich professionelle Hilfe?

Du bist HIV -positiv und steckst in einer psychischen Krise? Wenn du für dich akzeptierst, dass du Hilfe benötigst, hast du den ersten wichtigen Schritt bereits getan. Nun kommt die nächste Frage: An wen kannst du dich wenden?

Seelische Krise und HIV: Wo finde ich professionelle Hilfe?
Artikel teilen

Grundsätzlich kann auch bei seelischen Problemen dein Hausarzt der erste Ansprechpartner sein. Glaube nicht, dass du der Einzige wärst, der sich mit diesen auf den ersten Blick nicht-medizinischen Fragen an ihn wendet. Viele Hausärzte verfügen über eine Weiterbildung in „Psychosomatischer Grundversorgung“ und sind daher auch in diesen Fragen kompetent. Wenn ihr euch schon länger kennt, ist vielleicht bereits ein Vertrauensverhältnis gewachsen, das es dir leichter macht, mit ihm oder ihr über deine Schwierigkeiten zu sprechen. Zumindest kannst du einschätzen, ob er für ein solches Gespräch offen ist. Falls dein Problem mit körperlichen Beschwerden einhergeht, solltest du ohnehin zuerst mit dem Hausarzt darüber sprechen, damit er eine organische Ursache der Symptome ausschließen kann. Manchmal wird dir der Hausarzt überbrückend eine medikamentöse Behandlung anbieten, z. B. mit einem Antidepressivum.

Wie es dann weitergeht, hängt von der Art des Anliegens ab

Sofern ein Suchtproblem – sei es Substanzmissbrauch oder abhängiges Verhalten wie z.B. Internet-, Sex- oder Spielsucht – im Mittelpunkt steht, sind entsprechende Beratungsstellen sehr gute Ansprechpartner. Sie vermitteln bei Bedarf an geeignete Behandlungseinrichtungen. Auch Selbsthilfegruppen sind in diesen Fällen eine große Hilfe.

Wenn feststeht, dass du Hilfe durch einen „Psycho-Fachmann“ in Anspruch nehmen möchtest, kommen verschiedene Berufsgruppen in Frage.

Bei schwer ausgeprägten und eher akuten Erkrankungen kann ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder ein Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie die erste Adresse sein. Die Wartezeiten auf einen Termin sind recht unterschiedlich. In dringenden Fällen kann die Vermittlung durch den Hausarzt hilfreich sein, um einen schnelleren Termin zu bekommen. Welche Behandlung der Fachmann empfiehlt, hängt vom Einzelfall ab. Möglicherweise wird er dir zumindest anfangs zu einer medikamentösen Behandlung raten.

Wenn schon feststeht, dass du eine Psychotherapie machen möchtest, wendest du dich am besten direkt an eine psychotherapeutische Praxis.

Übrigens: In akuten Krisensituationen und Notfällen solltest du nicht zögern, dich entweder an den Rettungsdienst (Notruf 112), an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst (Rufnummer 116 117) oder die Notaufnahme eines Krankenhauses zu wenden. Zu solchen akuten Notfällen gehören vor allem akute und drängende Suizidgedanken.

Autor: Dr. Steffen Heger

Zurück

Weitere Themen:

Seele+

> > Seelische Krise und HIV: Wo finde ich professionelle Hilfe?