SICHERHEIT HIV PCR

Schwerpunkt: HIV & Frauen, Schwangerschaft
03.06.2013

Liebes Team, ich würde gerne wissen, wie sicher heutzutage das Ergebnis einer HIV PCR ist? Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Katja Römer
Antwort des Experten Dr. med. Katja Römer

Sehr geehrte „Micky Maus“,

vielen Dank für Ihre Anfrage über die Internetplattform www.my-micromacro.net.

Die Bildung von Antikörpern gegen HIV nimmt nach der erfolgten Infektion einige Zeit in Anspruch. In der Regel geht man von wenigen Wochen bis zu drei Monaten aus. Es gibt nur wenige Einzelfallberichte, in denen die Antikörperbildung länger als drei Monate gedauert hat (und dabei handelt es sich um Fälle mit alten Testverfahren), daher kann man davon ausgehen, dass ein negativer HIV-Antikörpertest (ELISA) nach drei Monaten eine Infektion mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließt. Neuere ELISA-Antikörpertests beinhalten neben dem Antikörpernachweis für HIV-1 und HIV-2 sogar zusätzlich den Nachweis des p24Antigens, dies ist ein Oberflächenmerkmal des HIV-1-Virus, welches noch etwas früher nachweisbar wird. Mit einem zeitlichen Abstand von 10 Wochen kann man vom üblicherweise verwendeten ELISA-Antikörpertest also schon ein relativ sicheres Ergebnis erwarten, besser noch nach 12 Wochen.

Der übliche Direktnachweis des Virus (HIV-PCR) wird für das hier hauptsächlich vorherrschende HIV-1 Virus angeboten. Der Test hat je nach Labor eine sehr niedrige Nachweisgrenze. Unser Labor gibt Werte ab 40 Kopien/ml Plasma als sicher nachweisbar an. Andere Labors arbeiten mit Nachweismethoden, die eine Grenze von 20 Kopien/ml haben. Vorausgesetzt, es liegt eine Infektion mit HIV-1 vor, kann dieser Test als sicherer Nachweis einer Infektion herangezogen werden; er wird sogar noch vor der Antikörperbildung ein positives Ergebnis bringen.

Trotzdem wird die HIV-PCR in der Regel nicht zur ersten Diagnostik herangezogen, dafür gibt es mehrere Gründe:
Die HIV-1-PCR erfasst keine HIV-2 Viren (die in Deutschland aber sehr selten sind), auch werden seltene Subtypen von HIV-1 oft mengenmäßig nicht sicher bestimmt. Infektionen mit diesen Erregern werden allerdings in den Antikörpertests mit erfasst, so dass dann bei Bedarf Untersuchungen in Speziallaboren angefordert werden können.

Es gibt zudem seltene Einzelfälle, in denen von HIV betroffene Menschen Werte unter 40 Kopien im Plasma ohne eine antivirale Therapie haben. Dies wird möglich durch eine bestimmte genetische Veränderung auf der Zelloberfläche der CD4-Zellen. Der Virus kann sich nicht gut vermehren und liegt unterhalb der Nachweisgrenze. Dies erscheint jedoch in der Frühphase einer HIV-Infektion äußerst unwahrscheinlich, da die Virusvermehrung - ungehindert durch Antikörper - in sehr hoher Anzahl stattfindet.

Wie bereits erwähnt, wird aber trotz des fehlenden Direktnachweises in all diesen genannten seltenen Fällen ein positiver HIV-ELISA-Antikörpertest vorliegen, der dann nochmals durch einen Western-Blot-Test bestätigt werden wird.

Idealerweise wird also die negative HIV-PCR durch einen negativen ELISA-Antikörpertest ergänzt. Die von Ihnen erwähnte negative HIV-PCR nach 10 Wochen bestärkt also nochmals das negative Ergebnis des durchgeführten Antikörpertest.

Zum Weiterlesen: die aktuellen Merkblätter für Ärzte des Robert-Koch-Instituts

Ich freue mich, wenn ich Ihnen weitergeholfen habe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med Katja Römer
Fachärztin für Allgemeinmedizin und Infektiologie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

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