ÜBERTRAGUNG VON HIV IN SCHWANGERSCHAFT

Schwerpunkt: HIV & Frauen, Schwangerschaft
02.05.2013

Guten Tag, ich bin in der achten Klasse und werde eine GFS über das Thema Aids/HIV halten und wollte Ihnen deswegen eine Frage zum Thema HIV stellen. Ich habe gehört, dass es bereits Möglichkeiten gibt, ein Kind noch während der Schwangerschaft von dem Virus zu "befreien". Stimmt es, dass das Kind nach der Geburt nicht mehr positiv ist?

Dr. med. Katja Römer
Antwort des Experten Dr. med. Katja Römer

Hallo „Chapchap“,

vielen Dank für die Anfrage über die Internetplattform www.my-micromacro.net.

erst einmal freue ich mich sehr, dass das Thema HIV/AIDS bei Euch in der Klasse auf Interesse stößt.

Was die Schwangerschaft betrifft, so musst Du Dir Folgendes vorstellen: Das Baby liegt ja in der in der Gebärmutter in seiner Fruchthülle sehr geschützt und hat keinen direkten Kontakt zu den mütterlichen Geweben und auch nicht zum mütterlichen Blut. Das Baby ernährt sich über seinen Blutkreislauf, welcher von der Nabelschnur zum Mutterkuchen und wieder zurück geleitet wird. Auch im Mutterkuchen (Plazenta) ist das Blut des Babys von dem Blut der Mutter streng getrennt, die Nährstoffe und der Sauerstoff werden durch eine dünne Wand, eine Membran, ausgetauscht. Diese Membran ist glücklicherweise dicht für viele Stoffe wie z.B. Medikamente und auch Viren, so dass das HI-Virus hier nicht durchkommt. Dies nennt man „Plazentaschranke“. Das Baby bleibt also gesund, so lange kein mütterliches Blut in seinen Kreislauf gelangt.

In der Schwangerschaft oder auch während der Geburt kann diese Schranke allerdings undicht werden, z.B. durch Wehentätigkeit (Muskelanspannung der Gebärmutter) oder auch durch Verletzungen während des Geburtsvorgangs.

Um eine Infektion des Babys zu verhindern, wird die Mutter auf jeden Fall ab der 28. Schwangerschaftswoche mit antiviralen Medikamenten behandelt. Dies verringert die Anzahl der HI-Viren im Blut und macht eine Ansteckung des Babys unwahrscheinlicher.

Sind die Viren zum Zeitpunkt der Geburt bei der Mutter im Blut nicht mehr nachweisbar, dann kann auch eine normale Geburt versucht werden – das Ansteckungsrisiko ist dabei sehr  gering. Wenn aber bei der Mutter noch Viren nachweisbar sind, wird das Baby mit einem Kaiserschnitt auf die Welt geholt, um das Risiko eines Blutkontakts so gering wie möglich zu halten.

Leider kann die Muttermilch einer HIV-infizierten Mutter auch HI-Viren enthalten, daher darf das Baby nicht gestillt werden und muss mit der Flasche aufgezogen werden.

Werden diese Maßnahmen ergriffen, liegt die Rate der mit HIV-infizierten Kinder bei <1%.

Das Baby wird dann nach der Geburt direkt auf HIV untersucht und mindestens bis zum 18. Lebensmonat weiter beobachtet.

Ich hoffe, Dir mit diesen Informationen geholfen zu haben und wünsche Dir viel Erfolg für Dein Referat!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med Katja Römer
Fachärztin für Allgemeinmedizin und Infektiologie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

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