UNGESCHÜTZTER VERKEHR UND HIV-TEST

Schwerpunkt: HIV & Frauen, Schwangerschaft
28.04.2017

Liebe Frau Dr. Römer, mir ist folgende Situation passiert und nun mache ich mich seit Tagen verrückt.Ich hatte Ende März innerhalb von wenigen Stunden zwei Mal ungeschützten, vaginalen Verkehr, wobei er mich vorher gefingert hat. Kann das die vaginale Schleimhaut sehr verletzen? Vorher haben wir immer ein Kondom genutzt. Dadurch, dass ich regelmäßig Blutspende weiß ich, dass ich keine Geschlechtskrankheiten habe. Nun ist es so, dass ich in der Zwischenzeit (16 Tage nach dem Risikokontakt) beim Blutspenden war, wo ja auch ein PCR Test gemacht wird. Auf Nachfrage bei meinem Partner, mit dem ich Verkehr hatte, sagte er mir, dass ihm keine Krankheiten bekannt sind. Mittlerweile habe ich aber ziemlich Schiss, dass ich mich bei diesen beiden Malen, die ungeschützt waren und kurz hintereinander, mit HIV angesteckt habe. Meine Gedanken kreisen nur noch darum, wobei ich nicht mal weiß, ob er überhaupt positiv ist. Ich müsste noch 7 Wochen warten bis zu einem AK Test nach 12 Wochen und bin mir nicht sicher, ob ich das bis dahin mit meinen Gedanken aushalte. Ich bin gespannt, wie Sie die Situation einschätzen. Vielen Dank im Voraus und viele Grüße!

Dr. med. Katja Römer
Antwort des Experten Dr. med. Katja Römer

Sehr geehrte Fragende,

in der von Ihnen geschilderten Situation besteht allenfalls ein theoretisches Risiko, sich mit HIV anzustecken. Eine negative HIV-PCR nach 16 Tagen gibt ebenfalls eine zusätzliche Sicherheit, dass Sie nicht von HIV betroffen sind.

Als virushaltiges Material kommt Blut, Vaginalsekret und Sperma in Frage. Hierzu muss aber eine ausreichende Menge infektiöses Material in eine Verletzung bzw. auf eine empfängliche Schleimhaut wie z.B. die Enddarmschleimhaut aufgebracht werden. Rein theoretisch besteht beim Einführen von Fingern in die Scheide ein Verletzungsrisiko, wenn scharfe Gegenstände oder lange Fingernägel im Spiel sind. Das Einbringen von Sperma in die Scheide kann dann natürlich eine Infektion begünstigen. Soweit die Theorie. Nun schreiben Sie aber, dass eine HIV-PCR nach Blutspende negativ war. Meines Wissens werden die Blutspenden „gepoolt“ mit einer HIV-PCR getestet, d.h., dass das Material verschiedener Spender vermischt und dann getestet wird. Ist die PCR aus diesem Pool positiv, wird erst dann jede einzelne Spende getestet. Bei Auffälligkeiten werden die Betroffenen dann von der Blutspendestelle benachrichtigt. Da das bisher nicht passiert ist, ist nicht von einer Infektion auszugehen.

Wenn man alle genannten theoretischen Unsicherheiten beseitigen möchte, kommt man an einem HIV-Antikörpertest als Ergänzung nicht vorbei. Dieser kann auch schon vier Wochen nach dem Kontakt gemacht werden. Die Tests der vierten Generation beinhaltet nämlich auch das p24 Antigen, einen Oberflächenmarker des HI-Virus, der auch schon nach 16 Tagen nachweisbar sein kann. Damit ist der Test sehr sicher und schlägt auch schon frühzeitig an. Tatsächlich geht man abschließend bei einem negativen Test 12 Wochen nach dem Kontakt davon aus, dass keine HIV-Infektion vorliegt.

Die von Ihnen geschilderten Erkältungssymptome halte ich nicht für aussagekräftig im Hinblick auf das Vorliegen einer HIV-Infektion.

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