UNTERSCHIEDE HIV UND AIDS

Schwerpunkt: HIV & Frauen, Schwangerschaft
02.02.2013

Ich würde sehr gerne wissen, welche Formen von HIV und Aids es eigentlich gibt. Gibt es auch Unterschiede bei Geschlechtern/Alter o.ä. ?

Dr. med. Katja Römer
Antwort des Experten Dr. med. Katja Römer

Sehr geehrte(r) Fragende(r),

vielen Dank für Ihre Anfrage über die Internetplattform www.my-micromacro.net.

Das Krankheitsbild AIDS kann sehr unterschiedliche Ausprägungen annehmen. Zunächst kommt es „nur“ zu einer Infektion mit HIV, bevor die eigentliche Erkrankung AIDS ausbricht.

Das HI-Virus befällt ja bestimmte Zellen der Immunabwehr, die CD4-Zellen (oder auch Helferzellen genannt), deren Anzahl sich im Laufe der Zeit hierdurch vermindert. Die eigentliche Erkrankung entsteht in der Hauptsache durch den Verlust der CD4-Zellen, was zu einer Lücke in der Immunabwehr führt. Hierdurch wird das Auftreten bestimmter Erkrankungen begünstigt. Es handelt sich zunächst um HIV-bedingte Erkrankungen wie z.B. Pilzinfektionen des Mundes. Bei sehr schlechten CD4-Zellzahlen treten dann bestimmte Erkrankungen auf, die das Vorliegen von AIDS (Acquired Immunodeficiency Syndrome = Erworbenes Immundefekt Syndrom) anzeigen. Es gibt eine Liste dieser AIDS-definierenden Erkrankungen, die seit 1993 Gültigkeit hat. Sie finden Sie im Anhang. (Quelle: www.hivbuch.de) Es ist also kein einheitliches Krankheitsbild, da vielfältige Erkrankungen auftreten können.

Es gibt keine Unterschiede bei den Geschlechtern hinsichtlich des Krankheitsverlaufs. Natürlich kann die AIDS-definierende Erkrankung Gebärmutterhalskrebs nur bei Frauen auftreten. Studien haben gezeigt, dass Frauen ohne Therapie durchschnittlich eine niedrigere HI-Viruslast und eine höhere Helferzellzahl haben, was aber keinerlei Konsequenzen für die Therapie und den Krankheitsverlauf hat. Auch ist die Wirkung der Therapie bei Frauen und Männern gleich gut. Bei Frauen muss auf Nebenwirkungen bei der Therapie  geachtet werden; durch das oft geringere Körpergewicht und den anderen Stoffwechsel gibt es gelegentlich mehr Nebenwirkungen, oft im Magen-Darmbereich. Nicht zuletzt wird die Wahl der Therapie bei Frauen durch die Möglichkeit einer Schwangerschaft beeinflusst. Auch kann die Gabe von Hormonen wie z.B. der Anti-Baby-Pille zu Wechselwirkungen führen. 

Hinsichtlich des Alters gibt es sehr wohl Unterschiede. HIV-Betroffene im höheren Lebensalter müssen mit einem rascheren Krankheitsverlauf rechnen. Dies gilt übrigens auch für ganz junge Patienten (z.B. Babys, die sich bei der Mutter infiziert haben)

Bei älteren Patienten mit HIV besteht ein erhöhtes Risiko für das frühzeitigere Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, Diabetes und Osteoporose. Auch sollte die Therapie früher als bei jüngeren Patienten eingeleitet werden. Das Therapieansprechen ist aber genauso gut wie bei jüngeren Patienten. Lediglich sollten die Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten besonders beachtet werden, da auch die Stoffwechselvorgänge im Alter beeinträchtigt sein können, wenn z.B. eine verschlechterte Nierenfunktion vorliegt.

Anhang: CDC Klassifikation

 Kategorie C

 AIDS‑definierende Erkrankun­gen
Candidose von Bronchien, Trachea oder Lungen
Candidose, ösophageal
CMV-Infektionen (außer Leber, Milz, Lymphknoten)
CMV-Retinitis (mit Visusverlust)
Enzephalopathie, HIV-bedingt
Herpes simplex-Infektionen: chronische Ulzera (> 1 Monat bestehend; oder Bronchitis, Pneumonie, Ösophagitis
Histoplasmose, disseminiert oder extrapulmonal
Isosporiasis, chronisch, intestinal, > 1 Monat bestehend
Kaposi-Sarkom
Kokzidioidomykose, disseminiert oder extrapulmonal
Kryptokokkose, extrapulmonal
Kryptosporidiose, chronisch, intestinal, > 1 Monat bestehend
Lymphom, Burkitt
Lymphom, immunoblastisches
Lymphom, primär zerebral
Mycobacterium avium complex oder M. kansasii, disseminiert oder extrapulmonal
Mycobacterium, andere oder nicht identifizierte Spezies disseminiert oder extrapulmonal
Pneumocystis-Pneumonie
Pneumonien, bakteriell rezidivierend (> 2 innerhalb eines Jahres)
Progressive multifokale Leukoenzephalopathie
Salmonellen-Septikämie, rezidivierend
Tuberkulose
Toxoplasmose, zerebral
Wasting-Syndrom
Zervixkarzinom, invasiv

Ich freue mich wenn ich Ihnen weitergeholfen habe.

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. med Katja Römer
Fachärztin für Allgemeinmedizin und Infektiologie
im Auftrag der Janssen-Cilag GmbH

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