„90-90-90-0“: Zauberformel für das Ende von Aids

„90-90-90-0“ lautet das Ziel des Gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen zu HIV /Aids (UNAIDS). Das bedeutet, dass bis zum Jahr 2020 weltweit 90% der HIV -Infizierten ihren HIV -Status kennen, 90% von ihnen Zugang zu einer antiretroviralen Therapie haben und bei 90% der Behandelten das Virus nicht mehr nachweisbar ist. Gleichzeitig sollen Stigmatisierung und Diskriminierung HIV -positiver Menschen beendet werden. Durch diese Maßnahmen soll bis zum Jahr 2030 idealerweise niemand mehr an Aids erkranken.

Das Ende der Aids-Epidemie rückt in greifbare Nähe
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Was noch vor einigen Jahren wie ein schöner Traum wirkte, ist inzwischen zu einem realistischen Ziel geworden: Das Ende der Aids-Epidemie rückt in greifbare Nähe. Dies konnte außer durch Aufklärungsmaßnahmen und Verhaltensänderungen in erster Linie durch die Fortschritte in der medikamentösen Behandlung der HIV -Infektion erreicht werden. Denn wenn durch eine solche Behandlung die Viruslast des Betroffenen unter die Nachweisgrenze sinkt, kann das Virus auch nicht mehr übertragen werden. Eine Ansteckung anderer ist somit weitgehend ausgeschlossen (Schutz durch Therapie). Je mehr HIV -Infizierte also möglichst frühzeitig erfolgreich behandelt werden, umso weniger Neuinfektionen sind zu erwarten. Außerdem gelingt es heute durch eine antiretrovirale Therapie (ART) in den meisten Fällen, das Immunsystem der Betroffenen soweit funktionsfähig zu erhalten, dass es nicht zu einem Immundefekt und nicht zum Ausbruch der Aids-Erkrankung kommt.

Es ist also sowohl im Interesse des Einzelnen als auch der gesamten Gesellschaft, alle Infizierten möglichst frühzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln. Werden die von UNAIDS gesetzten 90-90-90-0-Ziele erreicht, könnte die Aids-Epidemie bis zum Jahr 2030 beendet sein.

Kein Aids für alle – Wie realistisch ist dieses Ziel?

Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge waren Ende 2015 in Deutschland etwa 85.000 Menschen mit HIV infiziert. Von ihnen wussten etwa 85% von ihrer Infektion. Nur etwa 75% der HIV -Positiven wurden antiretroviral behandelt. Es wird angenommen, dass sich im Jahr 2015 ca. 3.200 Menschen neu mit HIV infiziert haben. Damit gehört Deutschland im internationalen Vergleich zwar zu den Ländern mit einer vergleichsweise niedrigen Rate an HIV -Neuinfektionen. Dennoch wird zum Beispiel in Berlin noch immer jeder vierte HIV -Infizierte nicht ausreichend wirksam behandelt und ist daher potenziell ansteckend. Dies liegt zum großen Teil daran, dass die betroffenen Personen nichts von ihrer Infektion wissen, weil sie nicht auf HIV getestet sind. In zu vielen Fällen wird die Diagnose erst gestellt, wenn das Immunsystem schon stark beeinträchtigt ist und teilweise opportunistische Infektionen aufgetreten sind (sogenannte „Late Presenter“). Der Zugang zum Test und zur Behandlung stellt leider auch in Ländern wie Deutschland mit einem sehr gut funktionierenden Gesundheitssystem und einer ausreichenden Zahl kompetenter Behandlungszentren vor allem für bestimmte Bevölkerungsgruppen noch ein Problem dar. Dazu gehören insbesondere Migranten und drogengebrauchende Personen.

Um die Lücke zwischen den aktuellen Zahlen und dem Ziel 90-90-90-0 zu schließen, haben sich seit dem Jahr 2014 einige große Städte – denn hier leben die meisten HIV -Positiven – zur „Fast Track City Initiative Ending Aids“ zusammengeschlossen. Die an dieser Initiative teilnehmenden Großstädte haben sich zu Maßnahmen verpflichtet, mit denen die gesteckten Ziele erreicht werden können. Dazu gehören Strategien der Primärprävention (Förderung vorbeugender Maßnahmen zur Vermeidung einer Infektion, wie z.B. Kondomgebrauch und PrEP) wie auch der Sekundärprävention (Maßnahmen zur Frühdiagnose von Infektionen und damit Verringerung des Anteils an Late Presentern).

(Autor: Dr. Steffen Heger)

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