HIV -Infektionen in Deutschland: Update 2017

Im Kampf gegen das HI-Virus verfolgen die Vereinten Nationen einen ehrgeizigen Plan: Gemäß der „90-90-90-Ziele“ sollen bis zum Jahr 2020 90% der HIV -Infizierten ihren Status kennen, 90% davon Zugang zur Behandlung haben, und bei 90% der Behandelten soll das Virus nicht mehr nachweisbar sein.

HIV-Infektionen in Deutschland: Update 2017
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Ziel ist es, die HIV -Epidemie bis 2030 zu beenden. Im Rahmen der Tagung „HIV , Sexualität & Psyche“, die am 20. und 21. Januar 2017 zum 6. Mal in Bochum stattfand, stellte der Leiter des Zentrums für Sexuelle Gesundheit und Medizin „Walk In Ruhr (WIR), Prof. Dr. med. Norbert H. Brockmeyer, die aktuellen Entwicklungen für Deutschland vor.

HIV -Infektionsrate stabilisiert, starker Anstieg anderer sexuell übertragbarer Infektionen

Aktuell ist laut Brockmeyer in Deutschland eine im internationalen Vergleich niedrige Rate an HIV -Neuinfektionen zu verzeichnen. „Männer, die Sex mit Männern haben, stellen in Deutschland weiterhin die größte Gruppe unter den neu mit HIV Infizierten dar. Die meisten Neuinfektionen beobachten wir in der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen“, stellte Brockmeyer fest.

Gleichzeitig werde aber ein deutlicher Anstieg anderer sexuell übertragbarer Infektionen (STI) beobachtet, v. a. der Syphilis. Ob in anderen Ländern wie z. B. den USA die Zunahme von STI mit dem zunehmenden Gebrauch der Präexpositionsprophylaxe (PrEP) gegen HIV und dem damit häufig verbundenen Kondomverzicht zu sehen ist, dafür gibt es bisher keine Hinweise, da sexuell übertragbare Infektionen auch bei den Personen zunähmen, die keine PrEP benutzten. Jedoch gibt es bei PrEP-Nutzern fast keine neuen HIV -Infektionen. Ob auch im Zusammenhang mit der PrEP das Phänomen der Risikokompensation auftritt, wird bedeutsam für die weitere Entwicklung der HIV -Neuinfektionen sein: Mit steigendem subjektivem Sicherheitsgefühl werde das Risikoverhalten auf andere Weise erhöht. Für die anderen STI ist die Nutzung von Dating Apps ein wichtiger Faktor.

HIV -Therapieziele – Viruslast senken, Lebenserwartung steigern, Neuinfektionen verhindern

Drei wesentliche Ziele der Behandlung bei HIV stellte Brockmeyer in seinem Vortrag in den Vordergrund: Erstens die Senkung der Viruslast unter die Nachweisgrenze , zweitens die Steigerung der Lebenserwartung und drittens die Verhinderung von Neuinfektionen. Dabei gehe man inzwischen davon aus, dass ein Behandelter mit einer Viruslast unter 400 Kopien pro Milliliter nicht mehr infektiös ist. Während früher der Behandlungsbeginn von immunologischen Parametern wie Viruslast und CD4-Zahl abhängig gemacht worden sei, bestehe heute Konsens, dass jeder Infizierte möglichst sofort nach Diagnosestellung behandelt werden solle.

Neben diesen objektiven Zielen sei die Erhöhung der subjektiv erlebten Lebensqualität Betroffener von großer Bedeutung. In diesem Zusammenhang müsse für ein stärkeres Selbstwertgefühl der Menschen gesorgt werden, die mit HIV leben, forderte der Referent.

Behandelte HIV -Infizierte mit vergleichbarer Lebenserwartung

Insgesamt sei die Lebenserwartung von HIV -Infizierten unter wirksamer Behandlung grundsätzlich mit der von Nichtinfizierten vergleichbar. „Die Lebenserwartung mit HIV ist aber nicht für alle gleich“, erläuterte Brockmeyer. Sie sei unter anderem stark abhängig vom Sozialstatus, wobei Infizierte mit niedrigerem Sozialstatus eine kürzere Lebenserwartung hätten als solche mit höheren Status. „Größtes Hindernis einer gleichen Lebenserwartung ist allerdings das Rauchen, da HIV -Positive statistisch häufiger Raucher sind. Dies reduziert die Lebenserwartung im Mittel um sechs Jahre im Vergleich zu Nichtrauchern“, so Brockmeyer. Rauchen sei auch der Grund, warum HIV -infizierte Frauen häufiger Schwangerschaftskomplikationen aufwiesen.
(Autor: Dr. Steffen Heger)

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